Beförderung eines Priesters nach Belästigungsvorwürfen

Bistum widerspricht "Eindruck" durch Zeitungsbericht zu Bätzing

Aktualisiert am 25.05.2022  –  Lesedauer: 

Limburg/Stuttgart ‐ Nach einem Bericht über die Beförderung eines Priesters trotz Belästigungsvorwürfen nimmt das Bistum Limburg erneut Stellung: Dem hier erweckten Eindruck zum Verhalten Bischof Bätzings "muss widersprochen werden", heißt es.

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Der Limburger Bischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Georg Bätzing, steht nach einem Zeitungsbericht unter Rechtfertigungsdruck. Das Bistum Limburg kritisierte am Mittwoch den Beitrag, wonach Bätzing einen Priester in seiner Diözese zum Bezirksdekan befördert hatte, der Jahre zuvor zwei Frauen belästigt hatte. Der am Dienstag vorab veröffentlichte Text in der Beilage "Christ und Welt" der Wochenzeitung "Die Zeit" erwecke den Eindruck, "Bischof Bätzing würde Betroffene nicht hören, sich auf die Seite von Tätern stellen und Beschuldigte befördern, statt zu sanktionieren", erklärte Bistumssprecher Stephan Schnelle am Mittwoch in Limburg.

"Diesem Eindruck muss widersprochen werden", so Schnelle in einer Stellungnahme auf der Bistums-Homepage. Bätzing setze sich "entschieden dafür ein, dass es einen Kulturwandel in der Kirche gibt, Betroffene gehört, Missbrauch verhindert sowie Täter und Taten klar benannt werden." Davon zeuge das Projekt "Betroffene hören – Missbrauch verhindern" im Bistum Limburg.

Der Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst äußerte sich am Mittwoch allerdings kritisch zum Vorgehen Bätzings in dem beschriebenen Fall: "Ich bin perplex und überrascht. Ich kenne den Fall jetzt nicht genau. Aber ich würde in meiner Diözese so etwas niemals tun", sagte Fürst in einer Pressekonferenz zum Katholikentag. Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, stellte die Frage, ob die Beförderung durch Bätzing "möglicherweise ein Fehler" gewesen sei.

"Einsicht und Reue"

"Christ und Welt" hatte berichtet, dass "Einsicht und Reue" bei dem Pfarrer eine Voraussetzung dafür gewesen seien, ihn trotz der Vorwürfe zum Bezirksdekan zu berufen. Bätzing habe den Priester des Bistums Limburg zuvor wegen der Belästigung von zwei Frauen in den Jahren 2000 und 2007 ermahnt. Der katholische Priester soll demnach im Jahr 2000 eine evangelische Pfarrerin in Ausbildung verbal und körperlich sexuell belästigt haben. Derselbe Pfarrer soll eine katholische Gemeindereferentin in Ausbildung zwischen 2006 und 2007 belästigt haben. Diese Mitarbeiterin des Bistums hatte laut dem Bistumssprecher 2007 der Diözese gegenüber vorgebracht, dass sie der Priester unter anderem mit Kosenamen betitelt und ihr mit der Hand durch das Haar sowie über den Rücken gestrichen habe.

Bischof Gebhard Fürst
Bild: ©KNA/Angelika Zinzow (Archivbild)

Bischof Gebhard Fürst zeigte sich "perplex und überrascht" von dem Fall.

Das Bistum habe umgehend gehandelt. "Der Pfarrer wurde mit den Vorwürfen konfrontiert und klar formuliert, dass ein solches Verhalten zu unterlassen ist", sagte Schnelle. Er fügte hinzu: "Im Jahr 2013 machte die Mitarbeiterin den Vorwurf bekannt, der Priester habe ihr im Jahr 2007 unter das T-Shirt an die Brust gefasst. Der Priester wurde auch mit diesem Vorwurf konfrontiert, bestritt dies jedoch, im Gegensatz zu den früheren Vorwürfen, dezidiert."

Bätzing habe erst einige Jahre nach seinem Wechsel ins Bistum Limburg – er war seit November 2012 Trierer Generalvikar und wurde im September 2016 Limburger Bischof – vom Fehlverhalten des Priesters und den Vorwürfen erfahren. Daraufhin habe er mit der Mitarbeiterin und mit dem Priester gesprochen. "Der Bischof konfrontierte ihn 2020 auch mit einem neuen Vorwurf, der sich auf ein Fehlverhalten aus dem Jahr 2000 bezog und gegen den Priester ausgesprochen wurde", so Schnelle. "Bätzing machte unmissverständlich klar, dass er solches Verhalten missbilligt. Er sprach eine Monitio, eine Ermahnung in schriftlicher Form, aus."

Bitte um Entschuldigung

Der Priester habe sich für sein Verhalten bei der Mitarbeiterin entschuldigt, um Verzeihung gebeten und "glaubhaft Reue" gezeigt. "Nach einer erneuten Prüfung der Vorwürfe und weiteren Gesprächen ernannte Bischof Georg Bätzing den Priester zum Bezirksdekan einer der elf Bezirke der Diözese", so Schnelle. Die "Betroffenheit und Empörung" der Mitarbeiterin über diese Personalentscheidung seien "verständlich", so der Bistumssprecher. Im persönlichen Gespräch mit der Mitarbeiterin habe Bätzing ihr diese Entscheidung zu vermitteln versucht.

"Bei der Ernennung zum Bezirksdekan wurde sowohl das förmlich missbilligte Fehlverhalten des Priesters und sein Umgang damit berücksichtigt, wie auch der Umstand, dass die vorschlagsberechtigten Seelsorgerinnen und Seelsorger ein deutliches Votum für die Berufung dieses Priesters zum Ausdruck gebracht haben", betonte Schnelle. Bätzing sei zu der Einschätzung gekommen, "dass eine Berufung zum Bezirksdekan möglich ist".

Gemäß dem Zeitungsbericht soll Bätzing laut der Gemeindereferentin in einem Telefonat gesagt haben, er habe keine Wahl gehabt. Dazu sagte Schnelle auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): "Der Bischof ist nicht autorisiert, Inhalte aus diesem Gespräch weiterzugeben." Das Statut für die Ernennung eines Bezirksdekans sei öffentlich einsehbar. Darin sei zu lesen, dass es dem Bischof möglich sei, "die Ernennung frei vorzunehmen". (KNA)