Im Erzbistum Bamberg ist während Corona eine besondere Talentschmiede entstanden

Jugendarbeit im Studio: Ein Seelsorgebereich und sein YouTube-Kanal

Aktualisiert am 11.06.2022  –  Lesedauer: 

Frensdorf ‐ Aus der Corona-Not eine Tugend gemacht: In einem Seelsorgebereich im Erzbistum Bamberg ist in den vergangenen beiden Jahren eine besondere Talentschmiede für junge Leute entstanden. Auf YouTube gestalten sie eine kreative Online-Pastoral – und das recht erfolgreich.

  • Teilen:

Es fing mit Gottesdienst-Streams in der Pfarrgemeinde an. Inzwischen wird der ganze Seelsorgebereich bespielt – und selbst das Erzbistum Bamberg macht sich die Dienste inzwischen zu Nutze. Auch andere Seelsorgebereiche fragen immer wieder um Rat. Im oberfränkischen Frensdorf ist in den vergangenen beiden Jahren eine Talentschmiede für junge Leute entstanden, die ihr künstlerisches Talent und ihre technischen Fähigkeiten einbringen, um eine kreative Online-Pastoral zu gestalten. Sie nennt sich "Katholische Studio- und Medienjugend" (KSMJ). Was als Ein-Mann-Betrieb-begann, ist inzwischen ein kleiner Verband mit einem Kern von 20 Ehrenamtlichen. Eingebettet ist das Ganze in eine Jugendarbeit, in der junge Leute etwas für ihr Leben lernen können – auch als Christen.

Wie für viele solche Projekte war der erste Corona-Lockdown im März 2020 der Startschuss. Das gewöhnliche kirchliche Leben – Gottesdienste, Krankenbesuche, Bildungsveranstaltungen – kam komplett zum Erliegen. Auch in der Pfarrei Frensdorf machte man sich Gedanken, wie es nun weitergehen könne. Man verständigte sich darauf, Gottesdienste im Internet zu streamen – und Online-Impulse von Mitgliedern des Pastoralteams zu produzieren. "Es gab keinen anderen Raum mehr für Pastoral als das Internet", sagt Jeremias Bauer, einer der "Chefs" der KSMJ. Er ist in der Pfarrei verwurzelt und übernahm die Aufgabe, technisch alles auf die Beine zu stellen. Er hatte bereits berufliche Erfahrungen mit digitaler Mediengestaltung. Schnell ging er mit einem YouTube-Kanal für die Pfarrei an den Start.

Auf Langlebigkeit ausgreichtet

Das Projekt war von vorneherein ambitioniert. Pro Tag gab es drei Impulse: einer am Morgen, einer für Kinder, und einer am Abend, die der Pfarrer gestaltete und einsprach. "Ich habe damals gesagt: Wenn wir schon anfangen, dann wäre es doch schräg, wenn wir das nicht auf eine Langlebigkeit auslegen", sagt Bauer. Voraussetzung dafür: regelmäßige, qualitativ hochwertige Beiträge. Profitiert habe man anfangs auch davon, dass ältere Leute zu Beginn der Pandemie von ihren Familien mit Tablets oder Laptops ausgestattet wurden, damit der familiäre Kontakt aufrechterhalten werden konnte – und dadurch auch Zugriff auf den Kanal hatten. Die Auswertung zeige nämlich, dass die große Mehrheit der User über 65 sei. "Wir sehen unseren Kanal auch als Angebot für die Menschen, die nicht mehr in den Gottesdienst gehen können", betont Bauer.

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Das technische Equipment für die Anfangszeit wurde schnell aus privaten Beständen zusammengetragen, so entstand ein erstes kleines Studio im Pfarrheim. Bald fand sich ein Stamm an Sprecherinnen und Sprechern, die viele kreative Ideen einbrachten. "So entstand ein buntes Sammelsurium an verschiedenen Dingen auf unserem Kanal", so Bauer. Für die Kinder-Impulse wurde die Zeichentrickfigur "Judith" erschaffen. Für sie wurde eine Sprecherin aus der Pfarreijugend gesucht – das war laut Bauer der Startschuss dafür, dass sich immer mehr junge Leute für das Projekt und den Kanal engagierten.

Die Pfarreien im neu eingerichteten Seelsorgebereich Steigerwald, zu dem Frensdorf gehört, hätten schnell gemerkt, dass da etwas Gutes im Entstehen ist. So wurde auch das Einzugsgebiet des Kanals gewissermaßen ausgeweitet: Seitdem heißt er "Steigerwald Online". Auch die Strukturen haben sich immer mehr erweitert und professionalisiert: Inzwischen steht für die Produktionen ein Zwei-Raum-Studio mit Aufnahme- und Regieraum zur Verfügung – und sogar ein Übertragungs-Wagen, mit dem die KSMJ in die einzelnen Gemeinden reist, wenn Streams von Gottesdiensten anstehen. Finanziert wurde das Ganze aus der Jugendkasse der Pfarrei sowie Spenden – und Geld, dass Mitglieder selbst reingesteckt haben.

Immer wieder neue Ideen

Der Kanal wird ausschließlich von den Jugendlichen betrieben, die die Inhalte selbstständig in ihrem Studio aufnehmen und aufbereiten – und dafür viel Freizeit opfern. Neben Gottesdienst-Streams und den regelmäßigen Impulsen gibt es auf dem Kanal einen Adventskalender, eine Fastenimpulsreihe, eine Podcast-Reihe mit dem Titel "Was glaubst du denn?" sowie die Zeichentrickserie "Judith und Benjamin". Besonders beliebt ist die Reihe zur Erstkommunion. Seit dem Start vor zwei Jahren wurden rund 500 Videos auf den Kanal hochgeladen. Sogar das Ordinariat in Bamberg fragt an, wenn es um Streams von größeren Wallfahrtsgottesdiensten geht.

So viel Einsatz und Herzblut begeistert auch den Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Zum ersten Geburtstag des Kanals vor einem Jahr kam er nach Frensdorf und feierte dort Gottesdienst. Anschluss bekam er eine Studioführung. Dabei zeigte er sich beeindruckt von der technischen Ausstattung, den professionellen Rahmenbedingungen und dem Aufwand, der hinter den Videoproduktionen steckt. Schick dankte der KSMJ und ihren Kanal dafür, dass sie Glaubensinhalte in neue Formate übertrügen und in die Lebensrealität der jungen Generation" transportierten.

„Wir sind einer von wenigen Seelsorgebereichen in Deutschland, der so etwas auf die Beine gestellt hat.“

—  Zitat: Jeremias Bauer

"Wir sind einer von wenigen Seelsorgebereichen in Deutschland, der so etwas auf die Beine gestellt hat", betont Jeremias Bauer. Doch man hat Größeres im Blick. Da bislang eine übergreifende Plattform für Medienarbeit in den Pfarreien fehlte, wurde die KSMJ nicht als einfacher Pfarrei-Verein, sondern als Verband gegründet. In diesem ist "Steigerwald online" nun eine Abteilung. Wenn andere Seelsorgebereiche sich anschließen wollen, müssen sie nur Mitglied im Verband werden und können dann eine eigene Struktur darin etablieren. Interesse gebe es schon.

Die Katholische Studio- und Medienjugend will dauerhaft ein pastorales Sinnangebot als Ergänzung zur Pastoral vor Ort anbieten und etablieren – eingebettet in eine Jugendarbeit, in der Jugendliche etwas fürs Leben lernen können, auch als Christen. Der Kanal "Steigerwald online" hat inzwischen über 2.000 Abonnenten. Bei den Gottesdiensten sind im Schnitt rund 300 Gläubige dabei. "Die Leute haben gemerkt, dass wir uns immer weiterentwickelt haben", unterstreicht Jeremias Bauer. Die Pfarreien im Seelsorgebereich sind größtenteils bereits Mitglied im Verband und können so das Programm mitbestimmen.

Generell müssten Bistümer mehr dafür tun, dass sich solche Projekte besser finden können, meint Jeremias Bauer. Er brauche mehr Hilfestellungen in personeller und struktureller Hinsicht sowie Leitfäden, wie zeitgemäße Medienarbeit in den Pfarreien besser gelingen kann. Das ein solches Projekt während der Pandemie vielerorts gar nicht angegangen wurde oder wegen zu viel Aufwand wieder eingestellt wurde, findet KSMJ-Chef schade. Denn auch nach Corona müssten die Pfarreien weiter auf den digitalen Raum setzen. Hier wolle man gerne Pionierarbeit leisten, auf die sich andere stützen können.

Von Matthias Altmann

"Steigerwald Online"

Zum YouTube-Kanal "Steigerwald Online" der Katholischen Studio- und Medienjugend geht es hier.