Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen arbeitet seit 2021

Mehr als 1.000 Anträge von Missbrauchsbetroffenen bearbeitet

Aktualisiert am 06.06.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Seit Beginn vergangenen Jahres gibt es die Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen. In dieser Zeit hat sie etwa 25 Millionen Euro an Finanzleistungen bewilligt. Dabei hat sich der Umfang des Arbeitsaufkommens geändert.

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Rund anderthalb Jahre nach ihrer Gründung hat die Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen (UKA) mehr als 1.000 Anträge von Missbrauchsopfern in der katholischen Kirche bearbeitet. Mit Stand Ende Mai habe die Kommission über insgesamt 1.136 Anträge entschieden, sagte die Vorsitzende Margarete Reske am Montag in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Dabei seien Anerkennungsleistungen in einer Gesamthöhe von rund 25 Millionen Euro bewilligt worden.

"Während zum Jahreswechsel 949 Anträge noch unerledigt waren, stehen jetzt unter Berücksichtigung der weiteren Eingänge des Jahres 2022 trotzdem nur noch 676 Anträge zur Entscheidung an", fügte Reske hinzu. "Der Bestand sinkt also kontinuierlich und ohne Berücksichtigung von neuen Eingängen müsste der jetzige Bestand dieses Jahr zu schaffen sein." Derzeit gehen Reske zufolge rund 40 Anträge pro Monat bei der UKA ein; in den ersten fünf Monaten des Vorjahres waren es durchschnittlich über 200.

Arbeit seit Anfang Januar 2021

Die Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen nahm am 1. Januar 2021 in Bonn ihre Tätigkeit auf. Sie hat die Aufgabe, darüber zu entscheiden, wie viel Geld Missbrauchsopfer in der katholischen Kirche in Anerkennung des ihnen zugefügten Leids erhalten. Dazu nimmt sie Anträge der Betroffenen über die jeweiligen Ansprechpersonen der Bistümer oder Ordensgemeinschaften entgegen, legt eine Leistungshöhe fest und weist die Auszahlung an Betroffene an.

Auf die Frage, wie lange Betroffene, die ihren Antrag jetzt einreichen, auf einen Bescheid warten müssten, antwortete Reske, die Wartezeit, sei von über einem Jahr auf unter sechs Monate gesunken. "Ein Antrag, der heute eingeht, wird nach menschlichem Ermessen im Herbst, auf jeden Fall aber noch dieses Jahr entschieden."

Unzufriedenheit mit der Missbrauchsaufarbeitung im Erzbistum Köln bekundete die dortige Laienvertretung. Der wiedergewählte Vorsitzende des Diözesanrates, Tim Kurzbach, nannte es am Pfingstwochenende einen Fehler, dass niemand aus der Kirchenleitung Verantwortung übernommen habe. "Wir sagen das auch in dem Wissen, dass die schreckliche Geschichte des Missbrauchs noch nicht vollständig erzählt ist, dass noch vieles unentdeckt und vor allem nicht aufgearbeitet ist", so Kurzbach. In Deutschlands mitgliederstärkstem katholischen Bistum hat sich vor allem an der Aufarbeitung des Missbrauchs eine Vertrauenskrise entzündet. (cph/KNA)

Update 6.6., 17 Uhr: Ergänzt um den letzten Absatz.