Konflikt schwelte seit 1967

Orthodoxe Kirche Nordmazedoniens wird offiziell eigenständig

Aktualisiert am 06.06.2022  –  Lesedauer: 
Eine Ikone von Maria mit Christus auf dem Schoß
Bild: © katholisch.de

Belgrad ‐ Ein 55-jähriger Streit ist beendet: Die serbisch-orthodoxe Kirche hat offiziell die Unabhängigkeit der orthodoxen Kirche in Nordmazedonien anerkannt. Im Gegensatz zum Patriarchat in Konstantinopel stellte sich hier ein Problem nicht.

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Die Orthodoxie bekommt eine 16. eigenständige (autokephale) Landeskirche: Die serbisch-orthodoxe Kirche erkannte am Sonntag bei einem Gottesdienst offiziell die Unabhängigkeit der orthodoxen Kirche von Nordmazedonien an. Der serbische Patriarch Porfirije übergab in seiner Belgrader Kathedrale dem Erzbischof Stefan von Ohrid und Nordmazedonien den Erlass (Tomos) über die volle Eigenständigkeit (Autokephalie) von dessen Kirche.

Porfirije sagte, die mazedonisch-orthodoxe Kirche erfülle hierfür nicht nur die Bedingungen, sondern die Autokephalie sei auch notwendig. "Es erweist sich als der bestmögliche Weg und die bestmögliche Methode für das Leben der orthodoxen Kirche und unserer orthodoxen Brüder und Schwestern in Nordmazedonien", so der 60-jährige Patriarch. Erzbischof Stefan sprach von einem "Schritt von historischer Bedeutung" für seine Kirche und die gesamte Orthodoxie. Die serbische Kirche habe gezeigt, wie sehr sie "Frieden und Harmonie zwischen den Brüdern" möchte, so der 67-Jährige laut der serbischen Nachrichtenagentur Beta.

Die Anerkennung der völligen Unabhängigkeit der nordmazedonischen Kirche durch die serbisch-orthodoxe Kirche beendet einen 55 Jahre langen Konflikt. Nachdem sich die Kirche der südlichsten jugoslawische Teilrepublik 1967 einseitig vom Belgrader Patriarchat getrennt hatte, galt sie sie in der Gesamtorthodoxie als "schismatisch". Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel hatte zuerst Anfang Mai die eucharistische Gemeinschaft mit der nordmazedonischen Kirche wiederhergestellt. Es räumte der serbisch-orthodoxen Kirche das Recht ein, die Verwaltungsfragen zwischen ihr und der Kirche in Nordmazedonien zu regeln. Die serbische Kirchenleitung billigte schließlich einstimmig die kirchliche Unabhängigkeit Nordmazedoniens.

Keine Probleme mit Namensteil "mazedonisch"

Die serbische Kirche wird nun nach eigenen Angaben alle anderen Landeskirchen über die Anerkennung der Unabhängigkeit informieren. Diese entscheiden dann, ob sie die nordmazedonische Kirche ebenfalls als eigenständig anerkennen. Sie trägt offiziell den Namen "Mazedonische Orthodoxe Kirche – Erzbistum Ohrid". Auch die serbische Kirche nennt sie so und zeigt damit, dass sie im Gegensatz zum Patriarchat von Konstantinopel keine Probleme mit dem Namensbestandteil "mazedonisch" hat.

Konstantinopel hatte im Mai jedoch den Begriff "mazedonisch" und jede andere Ableitung des Wortes "Mazedonien" im Kirchennamen ausgeschlossen. Es gab der Kirche stattdessen den Namen "Kirche von Ohrid". Die 40.000-Einwohner-Stadt im Südwesten des Landes gilt als historisches Zentrum des Christentums in Nordmazedonien. Hintergrund der Benennung: Griechenland hat eine eigene Region namens Makedonien und pocht darauf, dass sich der nördliche Nachbarstaat nicht Mazedonien nennt.

Bei der Volkszählung 2021 bekannten sich 46 Prozent der Mazedonier zum orthodoxen Christentum, 32 Prozent zum Islam und 0,4 Prozent zur katholischen Kirche. Die ehemalige jugoslawische Teilrepublik erklärte 1991 ihre Unabhängigkeit. (KNA)