2021 noch doppelt so viele diözesane Neupriester

Deutlicher Rückgang bei Zahl von Priesterweihen in Bayern

Aktualisiert am 12.06.2022  –  Lesedauer: 

München ‐ Im vergangenen Jahr wurden 18 Männer zu Priestern einer der sieben bayerischen Diözesen geweiht, in diesem Jahr ist die Zahl nur halb so groß. Einen Grund für den Rückgang sehen Verantwortliche auch im schlechten Ansehen des Priesterberufs.

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In diesem Jahr verzeichnen die Diözesen in Bayern einen deutlichen Einbruch der Zahl von Priesterweihen. Das hat eine Umfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) bei den sieben (Erz-)Bistümern ergeben. Die Zahl der diözesanen Neupriester beträgt demnach neun. Grund dafür ist auch, dass in München-Freising und Eichstätt in diesem Jahr keine Weihen stattfinden. Im vergangenen Jahr wurden in den bayerischen Diözesen 21 Priester geweiht, darunter waren drei Ordensleute. 2020 gab es 16 Priesterweihen inklusive drei Mitgliedern von Ordensgemeinschaften.

In Würzburg legte Bischof Franz Jung bereits am Pfingstsamstag einem Kandidaten die Hände auf. In den vier weiteren Bistümern finden die Priesterweihen traditionsgemäß rund um das Hochfest Peter und Paul (29. Juni) statt. Drei junge Männer weiht Bischof Stefan Oster am 25. Juni in Passau. Am selben Tag empfängt jeweils ein Kandidat die Weihe in Bamberg und in Regensburg.

Bischof Rudolf Voderholzer weiht zudem fünf Kandidaten für die indische Diözese Nellore. Mit diesem Bistum pflegt die Diözese Regensburg seit vielen Jahren eine Kooperation. Ein weiterer Kandidat empfängt die Weihe für das Oratorium des heiligen Philipp Neri in Aufhausen. Am Tag darauf werden in Augsburg drei Männer zu Diözesanpriestern geweiht.

Ansehen des Priesterberufs gesunken

Angesichts des Umfrageergebnisses sagte der Regens des Regensburger Priesterseminars, Martin Priller, der KNA, das Ansehen der katholischen Kirche und des Priesterberufs im Besonderen hätten in den letzten Jahren sehr gelitten. Diese Beobachtung teilten die in der Deutschen Regentenkonferenz zusammengeschlossenen Leiter der Priesterseminare. Für junge Männer, die sich mit dem Gedanken trügen, Priester zu werden, hätten sich hohe Hürden aufgebaut. Sie müssten mit Vorurteilen rechnen; zugleich stünden sie unter einem spürbaren Rechtfertigungsdruck gegenüber Freunden und der eigenen Familie.

Innerkirchliche Diskussionen um den priesterlichen Dienst bis hin zu dessen grundsätzlicher Infragestellung verstärkten diese Ausgangssituation noch, so Priller. Die Folge seien niedrige Eintrittszahlen bei den Seminaren. Dazu komme, dass Interessenten aufgrund größer und anonymer werdender Seelsorgestrukturen sowie steigender Verwaltungsaufgaben abgeschreckt würden. Sie stellten sich die Frage, wie sie unter diesen Unständen Seelsorger sein könnten.

Sein Eichstätter Kollege Michael Wohner, Prillers Nachfolger als Vorsitzender der bayerischen Teilkonferenz der Regenten, ergänzte, dass Diözesen mit derzeit noch kleinteiligeren pfarrlichen Strukturen wie etwa Eichstätt, für Bewerber aus anderen Bistümern durchaus attraktiv erscheinen. Dies zeigten entsprechende Nachfragen. Viele Kandidaten treibe allerdings die Furcht vor Vereinsamung und Überforderung um. Der Wunsch nach Gemeinschaften und Unterstützung sei groß.

Erkennbar sei immer häufiger, dass Interessenten für den Priesterberuf sich lieber für eine Ordensgemeinschaft entschieden, so der Regensburger Regens. Dort schätzten sie den Rückhalt einer Gemeinschaft oder sähen im jeweiligen Ordenscharisma ihre Vorstellung von priesterlichem Wirken eher verwirklicht. (rom/KNA)