Standpunkt

Papst-Umgang mit Personalia ist ein Ärgernis

Aktualisiert am 21.06.2022  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Dass der Papst in einem Interview freimütig über die Situation im Erzbistum Köln plaudert, verärgert Albrecht von Croy. Gerade für das Erzbistum Köln vergrößere dies die Schwierigkeiten. Er blickt stattdessen auf den Zusammenhalt der ersten Christen.

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Es gibt Ärgernisse, die werden besser durch zeitlichen Abstand. Und solche, bei denen Abstand das Ärgernis eher vergrößert. Und es ist durchaus ein andauerndes Ärgernis, wie Führungskräfte in der katholischen Kirche miteinander umgehen. Jüngster Fall: der Papst äußert sich in einem Interview (!) mit den europäischen Kulturzeitschriften der Jesuiten zur deutschen Kirche, vor allem aber zur Situation in deren größtem Bistum, der Erzdiözese Köln. Und da kommt er munter ins Plaudern, watscht zunächst öffentlich den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Bätzing ab, dem er mal gesagt habe, dass "es eine sehr gute evangelische Kirche in Deutschland (gibt). Wir brauchen nicht zwei von ihnen". Gefragt nach der Kölner Erzdiözese, sagt Franziskus, er habe Kardinal Woelki an seinem Platz gelassen, um zu sehen, was passieren würde, "aber ich habe sein Rücktrittsgesuch in der Hand".

Zum Zeitpunkt des Interviews war die kirchenrechtliche Frist von drei Monaten für die Annahme des Rücktritts von Kardinal Rainer Maria Woelki bereits verstrichen. An diese ist der Papst ohnehin nicht gebunden und somit ganz frei in seinen Entscheidungen, was der herausragenden Stellung des Pontifex zukommt und also hier nicht kritisiert werden soll.

Aber muss denn das alles öffentlich ablaufen? Müssen wir unbedingt wissen, wie die Gedankengänge des Papstes verlaufen, welche Wendungen sie nehmen und wie die Entscheidungen zustande kommen? Wie müssen wir "Schafe" des Erzbistums Köln uns das jetzt vorstellen: Kardinal Woelki kann jeden Tag der päpstliche Bann treffen? Bis dahin soll er, ohnehin in einer schwierigen Situation, kraftvoll und mit neuem Schwung der Diözese vorstehen? Ganz offen: so sollte der Vatikan nicht mit seinem Führungspersonal umgehen. Er sollte seine Personalpolitik nicht zum Gegenstand von Interviews machen und Bischöfe dadurch öffentlich vorführen.

"Seht wie sie einander lieben." So beschriebt der antike Schriftsteller Tertullian den Zusammenhalt der ersten Christen. Bis heute hat diese besondere Form des Umgangs die katholische Kirche immer wieder ausgezeichnet. In diesen harten Zeiten sollten wir wenigstens daran festhalten!

Von Albrecht von Croy

Der Autor

Albrecht von Croy ist Mitherausgeber von "theo – das katholische Magazin" und Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.