Głódź erhielt 2021 Strafe vom Vatikan wegen Versäumnissen bei Missbrauch

Polnischer Erzbischof nicht mehr Mitglied im Malteserorden

Aktualisiert am 20.06.2022  –  Lesedauer: 

Warschau ‐ Mehr als 20 Jahre war Erzbischof Sławoj Leszek Głódź Mitglied im Malteserorden. Nun wurde bekannt, dass der wegen Vertuschung von Missbrauch in der Kritik stehende Oberhirte nicht mehr dem Orden angehört. Die Malteser halten sich bedeckt.

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Der polnische Erzbischof Sławoj Leszek Głódź gehört nicht mehr dem Souveränen Malteserorden an. Der emeritierte Erzbischof von Danzig sei bereits seit Februar dieses Jahres kein Mitglied des Ordens mehr, berichtete die Nachrichtenseite "ekai.pl" am Sonntag unter Berufung auf einen Sprecher der Malteser in Polen. "Die Befugnis, Mitglieder des Souveränen Malteserordens aufzunehmen und zu entlassen, liegt beim Souveränen Rat", zitiert das Medium den Malteser-Sprecher. Weitere Angaben machten die polnischen Malteser nicht und verwiesen darauf, sich nicht zu Personen zu äußern, die keine Verbindung zum Orden hätten. Der 76-jährige Głódź gehörte dem Malteserorden seit Juni 2000 als Ehren-Konventualkaplan an. Von 1991 bis 2004 war er Militärbischof in Polen, von 2004 bis 2008 Oberhirte von Warschau-Praga und anschließend Erzbischof von Danzig.

Gegen den 2020 emeritierten Głódź wurde im vergangenen Jahr durch den Vatikan eine Disziplinarstrafe wegen Versäumnissen im Umgang mit sexualisierter Gewalt ausgesprochen. Er musste seinen Wohnsitz außerhalb seines ehemaligen Erzbistums nehmen, eine Geldbuße aus seinem Privatvermögen an eine kirchliche Stiftung zahlen und darf nicht an öffentlichen Gottesdiensten und Zusammenkünften in seiner früheren Erzdiözese teilnehmen, teilte die Vatikanbotschaft in Warschau im März 2021 mit. Im Oktober 2019 hatten sich 16 Priester des Erzbistums Danzig in einem gemeinsamen Schreiben an den päpstlichen Botschafter in Warschau unter anderem darüber beschwert, dass der damalige Ortsbischof Anzeigen wegen sexueller Belästigungen gegen Priester vertuscht habe.

Im vergangenen Jahr wurde Głódź zum Ortsvorsteher im Ortsteil Piaski seines Geburtsorts Bobrówka im Nordosten Polens gewählt. Von den 36 Mitgliedern des Gemeinderats waren neun bei der Sitzung anwesend, die den emeritierten Erzbischof einstimmig wählten. Głódź verteidigte seine Wahl zum Ortsvorsteher damit, dass es sich dabei nicht um ein Regierungsamt handele. Das Kirchenrecht verbietet es Klerikern jedoch, "öffentliche Ämter anzunehmen, die eine Teilhabe an der Ausübung weltlicher Gewalt mit sich bringen" (can. 285 § 3 CIC). (rom)