Kirche dürfe nicht "zu einer Verfügungsmasse" werden

Kardinal Kasper bekräftigt Kritik am Synodalen Weg

Aktualisiert am 22.06.2022  –  Lesedauer: 

Neuss ‐ Er sieht Versuche, das Bischofsamt zu verändern; er sieht in der Idee eines ständigen Synodalen Rats "eine unerhörte Neuerung"; und er sieht eine "Ursünde" des Reformprojekts: Kardinal Walter Kasper verschärft seine Kritik am Synodalen Weg.

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Der deutsche Kardinal Walter Kasper (89) hat seine Kritik am Reformprojekt Synodaler Weg der katholischen Kirche in Deutschland bekräftigt. Reformen seien zwar nötig, doch dürfe die Kirche dabei nicht "zu einer Verfügungsmasse, die man situationskonform jeweils neu kneten und gestalten kann", werden, sagte der frühere Präsident des Päpstlichen Einheitsrates in einem am Sonntag bei einem Online-Studientag gehaltenen Vortrag.

Eine Synode müsse hören, was der Heilige Geist der Kirche heute zu sagen habe über "Korrekturen, die wir vornehmen müssen, und über die Richtung, welche wir einschlagen sollen", so Kasper weiter: "Auf diese Fragen kann es keine ideologisch vorgegebenen Antworten geben, die man durch Mehrheitsabstimmungen durchsetzt."

Auch eine von vielen geforderte Einberufung eines dauerhaften "Synodalen Rats" der katholischen Kirche in Deutschland wäre aus Sicht von Kasper "keine Erneuerung, sondern eine unerhörte Neuerung". Der Synodale Weg wolle in vielen Punkten menschliche Gesichtspunkte dem Evangelium gleichstellen, kritisierte der Kardinal weiter.

"Ursünde" des Projekts

Außerdem sei es die "Ursünde" des Projekts, dass man gleich am Anfang den Brief des Papstes und seinen Vorschlag, vom Evangelium und vom Grundauftrag der Evangelisierung auszugehen, "mehr oder weniger zur Seite gelegt hat und einen eigenen Weg mit teilweise anderen Kriterien eingeschlagen hat". Die kritischen Einwände dazu aus anderen Bischofskonferenzen würden sich wiederholen und verstärken und könnten bei Nichtbeachtung "dem Synodalen Weg das Genick brechen", mahnte der Kardinal.

Manche der bisherigen Aussagen aus dem Reformdialog seien zudem nicht mit dem Evangelium vereinbar, fügte er hinzu. Außerdem kritisierte er Versuche, das Bischofsamt als "Grundpfeiler der alten Kirche" zu verändern: "Wer an diesem Pfeiler sägt, der bricht der Kirche das Genick." Bischöfe könnten die ihnen übertragene Aufgabe und Autorität "faktisch nicht mehr ausüben, wenn sie in einem Akt der Selbstverpflichtung freiwillig darauf verzichten und erklären, den Entscheidungen der Synode oder des künftigen Synodalrats zu folgen", so Kasper weiter: "Letztlich käme eine solche Selbstverpflichtung einem kollektiven Rücktritt der Bischöfe gleich."

Im Synodalen Weg beraten deutsche Bischöfe und Laienvertreter seit 2019 über die Zukunft der katholischen Kirche. Ausgangspunkt ist eine jahrelange Kirchenkrise, die der Missbrauchsskandal verschärft hat. In der Debatte geht es vor allem um die Themen Macht, Priestertum und Sexualmoral sowie um die Rolle der Frauen in der Kirche. (KNA)