Heße warnt vor Hass auf russische Angreifer

Hamburger Erzbischof reist nach Polen und in die Ukraine

Aktualisiert am 30.06.2022  –  Lesedauer: 
Hamburger Erzbischof reist nach Polen und in die Ukraine
Bild: © KNA/Torben Weiß

Hamburg/Bonn ‐ In der Deutschen Bischofskonferenz ist Erzbischof Stefan Heße für Flüchtlingsfragen zuständig. Um den Opfern des Ukraine-Kriegs die Solidarität der Kirche in Deutschland nahezubringen, reist der Hamburger Oberhirte nun in die Region.

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Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße plant für Anfang Juli eine Solidaritätsreise nach Polen und in die Ukraine. Das teilte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) am Donnerstag in Bonn mit. Heße ist innerhalb der Bischofskonferenz Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen und Vorsitzender der Migrationskommission.

Heße wird den Angaben zufolge am 3. Juli zunächst nach Polen in die Grenzregion zur Ukraine reisen. Dort seien Treffen mit dem Erzbischof von Przemysl, Adam Szal, sowie dem griechisch-katholischen Erzbischof von Przemysl-Warschau, Eugeniusz Popowicz, geplant, bei denen sich Heße über die Flüchtlingsarbeit der beiden Erzdiözesen informieren wolle. Anschließend werde Heße nach Lwiw in die Ukraine reisen und dort den römisch-katholischen Erzbischof Mieczyslaw Mokrzycki und den griechisch-katholischen Erzbischof Ihor Voznyak treffen. Geplant seien außerdem Begegnungen mit Binnenvertriebenen sowie mit Vertretern der örtlichen Caritas und den Maltesern.

Heße sieht Zusammenwachsen Europas durch Ukraine-Krise

Den Abschluss der Reise bilden demnach Gespräche in Warschau unter anderem mit dem Vorsitzenden des Migrationsrates der polnischen Bischofskonferenz, Weihbischof Krzysztof Zadarko, sowie dem Direktor der Caritas Polen, Marcin Izycki. Die Rückkehr sei für den 8. Juli vorgesehen.

"Der brutale Krieg Russlands gegen die Ukraine markiert einen Einschnitt in der Geschichte unseres Kontinents. Das Leid der Ukrainerinnen und Ukrainer trifft Europa ins Herz", betonte Heße. Dennoch lasse sich feststellen, dass durch diese Krise Europa zusammenwachse. "Es ist wichtig, dass die Kirchen in der Ukraine, in Polen und Deutschland in dieser kritischen Situation gemeinsam gegen die ungerechte Gewalt und für die Opfer einstehen. Im Dienst an den Notleidenden müssen wir uns so gut wie möglich abstimmen und unsere Kräfte bündeln", so der Erzbischof.

Ein Kreuz mit einem Panzer im Hintergrund
Bild: ©picture alliance / AA / Ali Atmaca

Ein Kreuz mit einem Panzer im Hintergrund während des russischen Angriffs auf die Ukraine. Mehr als vier Monate dauert nun der Krieg in dem osteuropäischen Land.

Zudem rief Heße dazu auf, nicht in Hass auf die russischen Angreifer zu verfallen. In einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an die Jugendlichen in seinem Erzbistum fordert er, "entschieden an der Seite der Opfer zu stehen, ohne in abgrundtiefen Hass auf die Täter zu verfallen". Das Motto "Kein Hass" sei der erste Schritt hin zu Frieden.

Der Angriffskrieg Russlands sei furchtbar, so Heße. Das russische Militär töte Zivilisten, Soldaten vergewaltigen Frauen und verschleppe Kinder und Jugendliche. Krankenhäuser, Schulen und Wohnungen würden systematisch zerstört. All das seien vorsätzlich begangene Kriegsverbrechen.

Putin behalte trotz schrecklicher Taten seine Menschenwürde

Jesus erwarte jedoch die Größe, auch die Menschen anzunehmen und zu bejahen, die vorsätzlich Böses tun. Namentlich nennt Heße den russischen Präsidenten Wladimir Putin. "Trotz ihrer schrecklichen Taten bleiben sie Menschen und behalten ihre Menschenwürde. Ehrlich: Das fällt mir derzeit nicht leicht", schreibt der Erzbischof. Wenn Feindesliebe gerade zu viel verlangt sei, könne "Kein Hass" der erste Schritt sein.

Der Brief wurde laut Erzbistum an 32.000 junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren geschickt. Beigelegt sei ein Aufkleber mit dem Leitwort "Kein Hass". Außerdem werde die Aktion durch die Internetseite "kein-hass.de" unterstützt. (rom/KNA)