Kilometer um Kilometer den Alltag hinter sich lassen

Urlaub mit dem Fahrrad – nachhaltig, kostengünstig und gesund

Aktualisiert am 11.07.2022  –  Lesedauer: 
Spiritea

Bonn ‐ Steigende Spritpreise, überfüllte Züge und überlastetes Flughafenpersonal verleiden manchem den Urlaub. Warum also nicht mal aufs Fahrrad umsteigen? Diese entschleunigte Urlaubsform erfreut sich steigender Beliebtheit.

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Misereor-Chef Pirmin Spiegel ist nach eigenen Worten "leidenschaftlicher Fahrradfahrer". Deshalb macht er jedes Jahr Fahrradurlaub – mit Gleichgesinnten aus seiner Pfälzer Heimat. Für Spiegel eine willkommene "Unterbrechung des Alltags" – verbunden mit Gemeinschaft, Naturerleben und einer "ganzheitlichen Erfahrung von Schöpfung". Der Kirchenmann ist einer von rund vier Millionen Deutschen, die im vergangenen Jahr Urlaub mit dem Fahrrad gemacht haben.

Laut dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) liegt der Urlaub auf zwei Rädern im Trend. Schon vor der Pandemie hätten mehrere Millionen Menschen Radreisen unternommen, heißt es. Besonders beliebt sind demnach Touren im Emsland und Osnabrücker Land sowie in der Grafschaft Bentheim, gefolgt von der Mecklenburgischen Ostseeküste und der Region Bodensee. Die am meisten befahrenen Radfernwege sind der Weser-Radweg, der Elberadweg und der MainRadweg.

Radwege entlang von Flüssen besonders geeignet

Flussradtouren seien besonders für diejenigen geeignet, die das erste Mal mit dem Rad in den Urlaub fahren, erklärt ADFC-Pressereferentin Rebecka Hoch. Die Vorteile beim Radeln entlang von Flüssen: meist geringe Anstiege, meist eine verkehrsarme Lage nah am Ufer, intuitive Orientierung entlang des Flusslaufs, gute Beschilderung sowie ein interessanter Wechsel von Natur und Städten, da sich historisch bedingt viele Handelsstädte in Ufernähe befänden.

Dank vielfältiger digitaler Tools und Unterstützung von Tourismusverbänden könnten heutzutage Fahrradreisen "gut selbst geplant und durchgeführt werden", erklärt Hoch. Die jährliche Radreiseanalyse des Verbandes zeige, dass Radreisende überwiegend individuell und damit kostengünstiger reisten. Doch egal ob auf eigene Faust oder mit einer Pauschalreise – als positiven Nebeneffekt sieht ADFC-Tourismusvorstand Christian Tänzler, dass über die Hälfte Fahrradurlauber anschließend auch mehr im Alltag in die Pedale treten.

Bild: ©katholisch.de (Symbolbild)

Klöster lassen sich mit dem Fahrrad gut anfahren.

Radeln hält fit, lenkt den Blick auf die Natur und schont die Umwelt – auch für die Dominikanerin Kerstin-Marie Berretz sind das gute Gründe viel radzufahren. Im Urlaub legt sie regelmäßig größere Strecken zurück. "Wer kilometerweit übers Land fährt, er-fährt im wahrsten Sinne des Wortes, was es bedeutet, ein Mensch zu sein, der Leib und Seele ist", schreibt die in Vechta lebende Ordensfrau in einem Beitrag für die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA).

"Kilometer um Kilometer lässt man hinter sich, was einen im Alltag beschäftigt." Der Kopf werde wieder "frei für das, was einen wirklich angeht und was einen im tiefsten betrifft", beschreibt sie ihre Erfahrungen. So könne eine längere Radtour "zu einer geistlichen Übung werden, die dabei hilft, das eigene Leben und Sein mit anderen Augen zu betrachten und tiefer zu dem vorzudringen, was wesentlich für einen selbst ist".

Auch Klöster bieten sich übrigens als Übernachtungsquartiere beim Fahrradurlaub an. In Oberbayern kann man beispielsweise von Kloster zu Kloster radeln. Ab Oberammergau lässt sich das Kloster Ettal gut anfahren. Allerdings sind in der Region viele Quartiere aufgrund der Passionsspiele in diesem Sommer längst ausgebucht.

Von Kloster zu Kloster

Nur drei Fahrradstunden von Ettal entfernt liegt das Kloster Benediktbeuern. Dort sind in der Sommerzeit viele Fahrradurlauber zu Gast. Auch spontane Buchungen seien "grundsätzlich immer möglich", heißt es vom dortigen Gästehaus. In den beliebten Sommermonaten sei aber eine "vorherige Reservierung in jedem Fall sicherer". Von Benediktbeuern aus führt eine weitere Etappe über den Chiemsee-Radweg zur Fraueninsel oder zum Kloster Seeon.

Misereor-Chef Spiegel empfiehlt für den Anfang Strecken zwischen 50 und 60 Kilometern pro Tag. So bleibe auch Zeit für kleine, spontane Unterbrechungen, wie er im KNA-Interview sagt. Seine Gruppe plane die Etappen immer so, dass Zwischenstopps möglich sind – um die Natur zu genießen, für Begegnungen am Wegesrand, eine Rast in einem Biergarten.

Geselligkeit, Gemütlichkeit und Genuss kommen bei den Pfälzer Pedalenfreunden nicht zu kurz. "Wir haben immer eine Flasche Pfälzer Wein dabei und Brot aus der Region", verrät Spiegel. "Wir rasten dann und laden auch vorbeikommende Radfahrerinnen und Radfahrer ein. Dafür haben wir sogar kleine 0,1-Liter-Probiergläser im Gepäck."

Von Angelika Prauß (KNA)