Standpunkt

Ausleben der katholischen Internationalität immer schwerer

Aktualisiert am 14.07.2022  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Heute werden mehr internationale Beziehungen gebraucht, findet Abtpräses Jeremias Schröder. Dafür sei die katholische Kirche ein gutes Beispiel. Aber das Ausleben dieser Internationalität werde immer schwieriger. Schuld daran seien auch Behörden.

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Gestern war im Standpunkt auf katholisch.de zu lesen, dass wir eine deutsche Landwirtschaft brauchen. Die frustrierenden Erfahrungen und Befürchtungen, die so einen Vorschlag hervorbringen, kann man ganz gut nachvollziehen. Sinnvoller ist aber wohl eine regional – nicht national – gut integrierte Agrar-und Ernährungswirtschaft. Immerhin ist den Südbayern Tirol deutlich näher als Mecklenburg-Vorpommern.

Im Blick aufs Ganze muss man aber auch sehen, dass die Klimaveränderungen es auf Dauer für viele Länder noch schwieriger machen werden, sich vom nationalen Territorium zu ernähren. Wir brauchen deshalb eigentlich mehr internationale Beziehungen und intensivierten Handel, nicht weniger. Das ist derzeit nicht leicht. Aber es sollte ein Ziel bleiben: Immerhin hat der florierende globale Handel der letzten Jahrzehnte nicht nur Hunderte Millionen von Menschen aus der Armut gehoben, sondern nebenbei auch zu einer beispiellosen Reduzierung des Hungers in der Welt geführt.

Die katholische Kirche ist wahrhaft global. Das steckt bekanntlich schon im Namen und ist ein Wesensmerkmal. Nationalen Egoismen kann sie deshalb auch nicht das Wort reden. Aber das Ausleben dieser Internationalität wird immer schwerer. Selbst das Reisen ist richtig mühsam geworden. Als Leiter eines internationalen Ordens mit Hauptsitz in Deutschland bin ich praktisch wöchentlich damit konfrontiert, dass Mitbrüder, die dienstlich unterwegs sind, im letzten Moment das nötige Visum nicht erhalten. Unter den deutschen Auslandsvertretungen gibt es solche, die immerhin vor Engpässen und langen Wartezeiten warnen, und andere, wo die Vereinbarung eines Termins von vornherein auf Monate hin unmöglich ist. Oder die Visumerteilung wird nach langer Prüfung abgelehnt und vorgeschlagen, es doch bei den Italienern zu versuchen.

Seit den Zeiten des heiligen Paulus ist es im katholischen Interesse, dass Reisen ohne allzuviel Beschwernis möglich sind. Im Interesse des Exportweltmeisters Deutschland sollte es auch sein – herein und heraus.

Von Jeremias Schröder OSB

Der Autor

Jeremias Schröder OSB ist Abtpräses der Benediktinerkongregation von St. Ottilien.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.