Kirchliche Trauung war auf viel Kritik gestoßen

Bedford-Strohm zu Lindner-Hochzeit: Erlaube mir kein finales Urteil

Aktualisiert am 19.07.2022  –  Lesedauer: 

Augsburg ‐ An der kirchlichen Trauung Christian Lindners gab es viel Kritik. Ex-EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm begrüßt es, wenn zwei Menschen für ihre Hochzeit den Segen Gottes erhoffen. Ein abschließendes Urteil erlaube er sich jedoch nicht.

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Der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat die kirchliche Hochzeit von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) auf Sylt grundsätzlich begrüßt. Es sei "doch zunächst etwas ganz Schönes, dass zwei Menschen heiraten und den Segen Gottes für diese Hochzeit erhoffen", sagte der bayerische Landesbischof in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der "Augsburger Allgemeinen".

Lindner und die Journalistin Franca Lehfeldt hatten sich am 9. Juli in der evangelischen Kirche St. Severin in Keitum auf Sylt trauen lassen, obwohl sie keine Kirchenmitglieder sind. Daran entzündete sich Kritik. Es sei dabei nicht um christlichen Inhalt, sondern um eine Kulisse gegangen, erklärte etwa die Theologin Margot Käßmann. Die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus sagte, dass es in ihrer Kirche keine "Sonderangebote für Reiche und Wichtige" gebe. Lindner selbst betonte daraufhin die Bedeutung des kirchlichen Segens für seine Ehe. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder legte Lindner deshalb den Eintritt in die Kirche nahe. "Das wäre ein großartiges Signal für den Glauben in diesen Zeiten", so Söder.

Derlei in Gespräch zu klären

Man müsse derlei immer in einem seelsorgerischen Gespräch klären, sagte Bedford-Strohm: "Die Pfarrerin auf Sylt wird das auch gemacht haben. Aber ich kenne die Inhalte dieses Gesprächs natürlich nicht, deswegen kann ich mir kein abschließendes Urteil erlauben."

Zur hohen Zahl an Kirchaustritten sagte Bedford-Strohm: "Das Engagement für die Gemeinschaft ist in der DNA der Kirche eingebaut. Ich glaube schon, dass es einer Gesellschaft nicht guttut, wenn Menschen aus so einer Institution austreten." Die Kirche sei jedoch noch orientiert am Zeitgeist des 19. Jahrhunderts. Künftig müsse man mehr Netzwerk sein, alles mehr regionalisieren, eine andere Art der Kommunikation bieten. Es könne nicht sein, "dass wir nicht einmal die E-Mail-Adressen unserer Mitglieder haben." (mal/epd)