"Patriot"-Raketenabwehrsysteme der Bundeswehr bei einer Übung im Flugabwehrraketengeschwader 2 Bad Sülze (Nordvorpommern).
In der Kirche gehen die Meinungen über den Nato-Einsatz auseinander

Die Stunde der Patriots

Syrien-Konflikt - Ausgebrannte Häuser, aufsteigender Rauch, Zerstörung, soweit das Auge reicht: Über die Medien hat der syrische Bürgerkrieg die deutschen Wohnzimmer längst erreicht. Nun werden erstmals deutsche Soldaten in den Konflikt involviert: Im Rahmen eines Nato-Einsatzes von "Patriot"-Flugabwehrsystemen hat das Bundeskabinett die Entsendung von bis zu 400 Bundeswehrsoldaten in die Türkei beschlossen.

Bonn - 07.12.2012

Sie sollen die Grenze des Landes vor syrischen Übergriffen schützen. Während die Zustimmung des Bundestages in der kommenden Woche als sicher gilt, gibt es in der Kirche unterschiedliche Stimmen.

Der katholische Militärgeneralvikar Walter Wakenhut zeigte gegenüber katholisch.de Verständnis für den Entschluss der Bundesregierung: "Die Angriffe auf türkisches Gebiet sind schlimm. Deutschland muss da helfen". Auch die hohe Zahl der Soldaten geht für den Priester in Ordnung: "Die Soldaten können ja nicht 24 Stunden, 7 Tage lang im Einsatz sein", so Wakenhut. "Hinter der Zahl stehen also auch rein praktische Gründe."

Viele offene Fragen

Eine ganz andere Meinung hat Christine Hoffmann, die Generalsekretärin der katholischen Friedensbewegung "Pax Christi": "Wenn die Nato jetzt Truppen in die Türkei entsendet, dann ist das ein bedenkliches Signal, das mir große Sorge bereitet", sagte sie katholisch.de. Warum im Süden der Türkei ausgerechnet "Patriot"-Raketen stationiert werden sollen, ist für sie nicht nachvollziehbar. Denn diese Raketen seien gar nicht das adäquate militärische Mittel, um auf die Mörser-Granaten aus dem Nachbarland zu reagieren. "Da bleiben für mich viele Fragen offen. Die Stationierung ist jedenfalls nicht das deeskalierende Signal, das die Region dringend bräuchte."

Vielmehr fürchtet Hoffmann, dass sich der Bürgerkrieg durch das Eingreifen der Nato-Truppen weiter internationalisiert. "Der Konflikt muss auf diplomatischer Ebene gelöst werden", lautet daher ihr dringender Appell. "Im Moment scheint es jedoch, dass die Menschen vor Ort, die seit Monaten gewaltfreien Protest realisieren, zu wenig Unterstützung von außen bekommen." Statt eines militärischen Eingreifens müsse der Fokus stärker auf der Hilfe für die syrischen Flüchtlinge liegen: "Deutschland sollte Flüchtlinge aufnehmen und auch den Nachbarländern Syriens stärker bei diesem Problem helfen - zumal die finanzielle Lage dieser Länder deutlich schlechter ist als die der Bundesrepublik."

Einsatz hat "defensiven Charakter"

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizère (CDU) hatte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz erklärt, der geplante Einsatz diene der Eingrenzung des Konfliktes: Er habe "einen klaren defensiven Charakter" und setze auf "militärische Abschreckung". "Wir sind solidarisch mit unserem Bündnispartner Türkei. Wir wollen den Konflikt innerhalb Syriens nicht auf die Türkei übergreifen lassen. Deutschland ist bereit und in der Lage, schnell und entschlossen zu handeln", so der Minister. Immer wieder waren in den vergangenen Wochen syrische Granaten auf türkischem Gebiet eingeschlagen. Dabei hatte es Verletzte und Tote gegeben.

Als ob die Situation der Menschen in Syrien nicht schon prekär genug wäre, häuften sich in den vergangenen Tagen zudem die Spekulationen, die syrische Regierung erwäge den Einsatz von Chemiewaffen. Diese Entwicklung sieht Generalvikar Wakenhut mit großer Sorge: "Man kann nur hoffen, dass das nicht passiert. Chemiewaffen sind unberechenbar".

Von Gabriele Höfling