Standpunkt

Was es gegen die Kirchenkrise braucht

Aktualisiert am 27.07.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Die Institution Kirche scheint die Menschen schlichtweg nicht mehr zu erreichen. Was hilft gegen diese Entwicklung? Erlebnisse und Begegnungen, bei denen der Glaube wirklich erfahrbar wird, kommentiert Julia Martin – besonders bei jungen Leuten.

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"Könnte es sein, dass die Kirchen in Deutschland unter einem Sehnsuchts-Burnout leiden?", fragte vor genau einer Woche Pater Nikodemus Schnabel an dieser Stelle. Die kurze und einfache Antwort wäre: Ja. Aber es ist dann doch etwas komplexer. Denn die Kirchenkrise in Deutschland ist in letzter Instanz doch eine Institutionskrise, bei der die Institution die Menschen schlichtweg nicht mehr erreicht und diese sich komplett abwenden.

Corona darf zwar nicht als Generalentschuldigung dienen, um eigentlich schon seit Jahren absehbare Entwicklungen zu erklären. Dennoch hat die physische Distanz durch die Einschränkungen einen Einfluss auf die Kirchenbindung – eine Korrelation, keine Kausalität. Abstand schafft schlichtweg auch Abstand, und schließlich die x-te Negativnachricht als letzter Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, den Austritt.

Was es gegen diese Entwicklungen braucht, sind Orte, Erlebnisse und Begegnungen, bei denen wirklich Gott spürbar wird, wie übrigens auch gestern beim "katholischen Durchatmen" im Standpunkt so beschrieben. Vielleicht sind es vor allem die Klöster, in denen genau das passiert. In denen Menschen diese Glaubenserfahrungen machen dürfen. In denen die Gottsuche den Alltag durchzieht. Die als spirituelle und geistliche Kraftorte wirken.

Vor allem braucht es diese Erfahrungen für junge Menschen. Denn wo im späteren Leben der persönliche Glaube auf einem festen Fundament gründet, da bleibt die Sehnsucht, da bleibt die Offenheit für Gott, da wird der Glaube tatsächlich zur Selbstverständlichkeit, da finden sich immer wieder Antworten auf mögliche Glaubenszweifel oder Hadern mit der Institution Kirche.

Das alles relativiert zwar nicht die aktuellen Herausforderungen und letztlich die massive Krise, in der sich die Kirche befindet, aber zeigt doch, dass sich manches nicht durch Erzählen, Erklären und Diskurs lösen lässt, sondern dass es um die zutiefst persönliche und subjektive Erfahrung geht.

Von Julia Martin

Die Autorin

Julia Martin ist Pressesprecherin der Benediktinerabtei Münsterschwarzach.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.