BAMF spreche Asylbewerbern Glaubenswechsel zum Christentum oft ab

Forderung nach mehr Einsatz der Kirchen für Konvertiten aus Iran

Aktualisiert am 28.07.2022  –  Lesedauer: 

Frankfurt ‐ Iranern, die zum Christentum konvertieren, drohen in ihrer Heimat harte Strafen. Doch bei Asylverfahren in Deutschland werde ihnen oft ihr Glaubenswechsel abgesprochen, kritisieren Menschenrechtler. Hier müssten sich die Kirchen klarer positionieren.

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Menschenrechtler haben die Kirchen in Deutschland aufgefordert, sich stärker für geflüchtete christliche Konvertiten aus dem Iran einzusetzen, die von Abschiebung bedroht sind. "Ich wünsche mir gerade von den großen Kirchen in Deutschland, dass sie ihre Stimme lauter erheben", sagte der Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Martin Lessenthin, am Donnerstag in Frankfurt bei einer Online-Pressekonferenz.

Die kirchlichen Führungen müssten sich deutlicher positionieren gegen ablehnende Entscheidungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und gegen Urteile deutscher Verwaltungsgerichte. Oft werde darin christlichen Konvertiten aus dem Iran ihr Glaubenswechsel vom Islam zum Christentum einfach abgesprochen und damit der Asylantrag abschlägig beschieden, sagte Lessenthin.

Der Iran sei jedoch ein "Verfolgerstaat", in dem ein "Terrorregime der Mullahs" herrsche, so die IGFM. Christliche Konvertiten gelten demnach in der Islamischen Republik als "Abtrünnige", denen Hausarrest, Haft oder Folter wie etwa Peitschenhiebe drohten.

"Leider keine Lobby"

Gottfried Martens, Pastor der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Berlin-Steglitz, sagte, diese Asylbewerbergruppe habe "leider keine Lobby hier in Deutschland". Zu seiner Berliner Gemeinde gehören nach seinen Angaben insgesamt etwa 1.200 Konvertiten aus dem Iran und aus Afghanistan.

Martens kritisierte das BAMF scharf. Es sei eine "politische Behörde", der es nicht um den Einzelfall gehe. Der Asylantrag christlicher Konvertiten werde in der Regel abgelehnt, "oftmals in einer geradezu zynischen Weise". Martens zitierte aus einem Anhörungs-Protokoll des Bamf, in dem der Anhörende mit den Worten schloss: "Sie sagen, dass Sie an ein ewiges Leben glauben. Dann sollte es für Sie kein Problem sein, wenn Sie in den Iran zurückgehen werden und tatsächlich zur Todesstrafe verurteilt werden. Denn so werden Sie ein ewiges Leben bekommen, was Sie auch bestreben."

Das – so Martens – sei "die Grundhaltung des Bamf in seinen Anhörungen" in solchen Fällen. Entsprechend sei die Anerkennungsquote beim Bamf bei christlichen Konvertiten von früher nahezu 100 Prozent immer weiter gesunken und liege inzwischen fast im einstelligen Bereich. Wer gegen einen negativen Bamf-Bescheid dann vor deutsche Verwaltungsgerichte ziehe, erlebe ebenfalls nicht selten "Willkür" des Richters, so der Pastor. Oft sei es eine Art Glücksspiel, ob einer Klage eines iranischen christlichen Konvertiten stattgegeben werde. Das mache ihn fassungslos, sagte Martens. (KNA)