Standpunkt

Der Streit um "Layla" geht am eigentlichen Problem vorbei

Aktualisiert am 01.08.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Man könnte den Mallorca-Hit "Layla" als Sommerloch-Thema abtun – sollte man aber nicht, kommentiert Simon Linder. Vielmehr sollte das Lied dafür genutzt werden, um auf das Schicksal der vielen Prostituierten in Deutschland aufmerksam zu machen.

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"Ich hab' 'nen Puff/
Und meine Puffmama heißt Layla/
Sie ist schöner, jünger, geiler/
La-la-la-la-la-la-la-Layla"

Seit einem Monat steht der Mallorca-Hit "Layla" an der Spitze der deutschen Musik-Charts. Der Text gibt ein fiktives Gespräch zwischen einem Bordellbetreiber und einem Freier wieder. Einige Volksfest-Ausrichter werteten dies als sexistisch und untersagten daraufhin ihren DJs, den Song zu spielen. Dies wird nun mit Verweis auf die Kunstfreiheit heiß diskutiert. Man könnte das als typisches Sommerloch-Thema abtun – sollte man aber nicht!

In Deutschland sind etwa 24.000 Personen, vor allem Frauen, als Prostituierte gemeldet. Davon hat nur knapp ein Fünftel die deutsche Staatsangehörigkeit. Mehr als die Hälfte kommt aus Rumänien, Bulgarien und Ungarn. Die tatsächliche Gesamtzahl der Prostituierten liegt Schätzungen zufolge bei bis zu 200.000 Personen. Dass Menschen, vor allem Frauen, ihre Körper verkaufen, und dass Männer ihre Dienste in Anspruch nehmen, scheint in unserer Gesellschaft akzeptiert zu sein. Und das, obwohl allgemein bekannt ist, dass fast alle Frauen dies nicht freiwillig tun, sondern zu dieser Arbeit gezwungen werden.

Gesellschaftliche Debatten entstehen nicht aus heiterem Himmel. Die Popularität von "Layla" sollte genutzt werden, um die öffentliche Aufmerksamkeit auf Zwangsprostitution und Menschenhandel zu lenken sowie die Politik zur Bekämpfung dieses menschenfeindlichen Gewaltsystems zu bewegen. Denn bei Prostitution geht es um echte Menschen, die auch unsere christliche Solidarität brauchen – die Kunstfigur Layla dagegen muss niemand beschützen.

Von Simon Linder

Der Autor

Simon Linder hat Katholische Theologie und Allgemeine Rhetorik studiert und arbeitet an einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt zum Thema "Streitkultur".

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.