Auch Bischof Bätzing unterzeichnete Aufruf nicht

Appell "für Solidarität und Zusammenhalt": Caritas unterschreibt nicht

Aktualisiert am 01.08.2022  –  Lesedauer: 

Berlin ‐ Prominente Vertreter von Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften, Kirche, Wissenschaft und Kultur haben den gemeinsamen Appell "Für Solidarität und Zusammenhalt jetzt!" veröffentlicht. Die Caritas und der DBK-Vorsitzende sind nicht dabei.

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"Für Solidarität und Zusammenhalt jetzt!": Unter diesem Motto steht ein gemeinsamer Appell prominenter Vertreter von Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften, Kirche, Wissenschaft und Kultur. Die Unterzeichnenden des am Montag veröffentlichten Aufrufs fordern eine wirkungsvolle Entlastung einkommensarmer Haushalte. "Der Angriffskrieg auf die Ukraine, die Corona-Pandemie und weltweit gestörte Lieferketten haben Preissteigerungen vor allem für Energie und Nahrungsmittel ausgelöst, die von Menschen mit geringen bis durchschnittlichen Einkommen kaum noch zu stemmen sind", heißt es.

Für viele bedeute die hohe Inflation eine existenzielle Bedrohung. Daher sei insbesondere die Solidarität derjenigen gefragt, die über große Einkommen und Vermögen verfügten, so der Appell. Zu den Erstunterzeichnenden gehören unter anderen die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, Diakonie-Präsident Ulrich Lilie, der Bundesvorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Karl-Josef Laumann, die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Verena Bentele sowie der Vorsitzende der Tafel Deutschland, Jochen Brühl.

Solidarität müsse "sehr konkret und sehr konsequent" gelebt werden, erklärte Kurschus. "Das wird auch uns selbst in unserem Alltag einiges abverlangen." So sei mit Preissteigerungen "in etlichen Bereichen" zu rechnen. Dies dürfe nicht zulasten derer gehen, "die jetzt schon zu wenig haben". Den "entschlossenen Willen" zum Zusammenhalt nehme sie in der Gesellschaft deutlich wahr, betonte die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Caritas: Distanzieren uns nicht

Lilie rief die Politik dazu auf, diejenigen als erste in den Blick zu nehmen, die am härtesten von den Preissteigerungen getroffen werden. "Wer bereits heute fast zwei Drittel des Einkommens für Miete, Energie und Lebensmittel ausgeben muss und über keine nennenswerten Rücklagen verfügt, kann der Inflation nicht entkommen", erklärte der Diakonie-Chef.

Der Deutsche Caritasverband trat unterdessen einem Medienbericht entgegen, wonach er sich von dem Aufruf distanziert habe. "Wir distanzieren uns nicht", sagte dessen Sprecherin Mathilde Langendorf am Montag in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Wir haben ihn nur nicht unterschrieben." Die Position, dass große Herausforderungen auf die Gesellschaft zukämen, teile die Caritas zu 100 Prozent, sagte Langendorf. Der Verband sehe aber zumindest im Moment noch kein Solidaritätsdefizit. Zudem habe es an personellen Ressourcen für die Abstimmungsprozesse für diesen Aufruf gemangelt, so dass die Caritas ihn nicht mit Priorität behandelt habe. Das Portal kirche-und-leben.de hatte am Montag berichtet, dass die Caritas sich von dem Aufruf distanziere.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, war nach Angaben der Bischofskonferenz ebenfalls für den Appell angefragt worden. Er sei jedoch "grundsätzlich bei der Zeichnung von Appellen und Petitionen zurückhaltend – diese Linie hat er hier fortgesetzt", hieß es auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). (tmg/KNA/epd)

1.8., 16:50 Uhr: Ergänzt um Klarstellung der Caritas.