Standpunkt

Die Taufe ist kein Ort für ideologische Kämpfe

Aktualisiert am 04.08.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Einige US-Diözesen weisen homosexuelle Paare ab, die ihre Kinder taufen lassen wollen. Die angebliche Sorge der Bistümer sei lediglich ein Vorwand für ideologische Kämpfe, kommentiert Matthias Altmann. Doch dafür sei die Taufe kein Ort.

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In kirchlichen Debatten gibt es immer wieder Wortmeldungen, die einen ratlos zurücklassen. Zum Beispiel, wenn ein Erzbischof anprangern muss, dass in einigen US-Diözesen homosexuelle Paare abgewiesen werden, wenn sie ihre (Adoptiv-)Kinder taufen lassen wollen. Es ist nicht nur die Missbilligung ihrer Lebensgestaltung, die hinter dieser Ablehnung steckt. Offenbar traut man ihnen auch nicht zu, die Kinder zu "guten" Katholiken zu erziehen. Hier wird eine angebliche Sorge als Vorwand für einen ideologisch motivierten Kampf benutzt. Doch dafür ist die Taufe wahrlich kein Ort.

Sollen es am Ende wirklich die Kinder ausbaden, dass die Kirche homosexuelle Beziehungen ablehnt? Die Kirche müsste eigentlich froh sein, dass sich homosexuelle Paare, die sich von ihr diskriminiert und verletzt sehen, überhaupt noch an sie wenden, um ihre Kinder taufen zu lassen. Und die Frage nach der Berechtigung dieses pauschalen Vorurteils mal ausgeklammert: Selbst wenn man homosexuellen Paaren unterstellen will, dass sie Kinder aufgrund ihrer Lebensführung angeblich nicht authentisch katholisch erziehen können – die Kirche hatte seit Anbeginn mit der Frage zu tun, wie man mit Kindern aus, wie sie es nennt, "irregulären Verhältnissen" umgeht, etwa wenn die Eltern unverheiratet sind, und Lösungen gesucht.

Die Kirche lehrt zwar, es müsse gewährleistet werden, dass sich das Sakrament der Taufe durch eine echte Hinführung zum christlichen Leben vollständig entfalten kann. Aber selbst wenn manchen Eltern nicht zugetraut wird, das leisten zu können, hat man in solchen Fällen "Ersatzlösungen" im Blick, die anstelle der Eltern das Kind im Glauben unterweisen sollen: die Taufpaten und die ganze Gemeinde. Das Instrumentum laboris zur Familiensynode 2014 bringt das bei der Frage der Taufe von Kindern in homosexuellen Partnerschaften ins Spiel. Ein Aufschub oder eine Verweigerung der Taufe lassen sich also nur äußerst schwer rechtfertigen.

Am Ende geht es bei der Taufe eines Kindes nicht um die Frage, ob die Eltern oder Erziehungsberechtigten die katholische Ehe- und Sexuallehre erfüllen. Das weiß auch das Lehramt. Es geht um das Kind, das in die Gemeinschaft der Kirche eingegliedert wird und gewissermaßen seine eigene Geschichte mit Gott beginnt. Und niemand kann voraussagen, in welche Richtung sich diese entwickelt. Wenn auch zeitlich nur zufällig, hat das Erzbistum Freiburg parallel zur Diskussion in den USA Fakten geschaffen und den Umgang mit Kindern gleichgeschlechtlicher Eltern bei der Eintragung ins Taufbuch geregelt. Hoffentlich ziehen weitere Diözesen nach, nicht nur in Deutschland.

Von Matthias Altmann

Der Autor

Matthias Altmann ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.