Geistlicher soll auch Fahrerflucht begangen haben

Einbrecher überfahren: Dominikaner droht Mordanklage

Aktualisiert am 04.08.2022  –  Lesedauer: 

Sao Paulo ‐ Ein brasilianischer Dominikaner soll einen mutmaßlichen Einbrecher überfahren und dann Fahrerflucht begangen haben. Nun starb das Opfer – und der Geistliche muss sich auf eine Mordanklage gefasst machen. Auch im Orden sorgt der Vorfall für Debatten.

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Einem brasilianischen Dominikaner, der einen mutmaßlichen Einbrecher überfahren und danach Fahrerflucht begangen haben soll, droht nach dem Tod des Opfers eine Anklage wegen Mordes. Wie das US-Portal "Cruxnow" am Donnerstag berichtete, war der Pater zunächst wegen versuchter Tötung angeklagt. Der mutmaßliche Einbrecher war am 27. Juli verstorben.

Der Vorfall ereignete sich bereits Anfang Mai. Ein 41-jähriger Drogenabhängiger soll bei einem Einbruch in ein Pfarrhaus in Santa Cruz do Rio Pardo (Bundesstaat Sao Paulo) rund acht Dollar in Münzen gestohlen haben. Zwei Tage später soll er erneut eingebrochen sein und dabei drei Pullover und ein T-Shirt mitgenommen haben. Der Geistliche erwischte ihn und verfolgte ihn mit seinem Auto. Auf einem Überwachungsvideo ist zu erkennen, wie das Auto den Einbrecher am Eingang eines Parkplatzes anrempelt. Anschließend ist zu sehen, wie das Auto die Stelle unmittelbar nach dem Vorfall verlässt, ohne dass der Fahrer dem Opfer Hilfe leistet.

Zustand zunehmend verschlechtert

Das Unfallopfer wurde aufgrund der Folgen des Zusammenstoßes mehrfach ins Krankenhaus eingeliefert. Zuletzt verschlechterte sich Berichten zufolge sein Zustand rapide, weshalb er schließlich starb.

In einer Polizeianhörung Anfang Juni hatte der Dominikaner bestritten, den Dieb überfahren zu haben. Er sei stattdessen auf die Motorhaube gesprungen. Der Geistliche betonte gegenüber der Polizei, er habe das Opfer mehrmals angeschrien und aufgefordert, nicht weiterzulaufen. Auf die Frage, warum er weggefahren sei, ohne dem Opfer Hilfe zu leisten, antwortete er, dass er eine Reaktion befürchtete und sein Leben und das Leben seines Beifahrers schützen musste.

Die Diözese Ourinhos hat laut Crux den Priester bereits als Pfarrseelsorger suspendiert. Der Vorfall sorgte auch im Dominikanerorden für Diskussionen. Während die dominikanische Kommission für Gerechtigkeit und Frieden "Solidarität mit der Familie" des Opfers zum Ausdruck brachte, das "infolge der kriminellen Fahrerflucht" ums Leben gekommen sei, distanzierte sich der zuständige Dominikanerprovinzial von dieser Kritik. In einem Rechtsstaat dürfe "keine Entscheidung getroffen werden, bevor das ordnungsgemäße Verfahren, das von den zuständigen Behörden durchgeführt wird, abgeschlossen ist", heißt es in einer Erklärung. Sollte der Dominikaner schuldig gesprochen werden, drohen ihm in einem kirchlichen Verfahren auch Konsequenzen bis hin zur Entlassung aus dem Klerikerstand. (mal)