Wissenschaftsplädoyer zum Ende der Salzburger Hochschulwochen

Schick: Kirche und Theologie haben in Wissensgesellschaft ihren Platz

Aktualisiert am 07.08.2022  –  Lesedauer: 

Salzburg/Bamberg ‐ Kirche und Theologie fördern Wissen und Wissenszuwachs, ist der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick überzeugt. Die Kirche habe aber auch die Aufgabe, Wissen und die Würde des Menschen zu verbinden und auf Gefahren hinzuweisen.

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Mit einem Plädoyer für die Wissenschaft sind am Sonntag die Salzburger Hochschulwochen zuendegegangen. In der modernen Wissensgesellschaft hätten auch Kirche und Theologie ihren Platz, betonte der Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, beim Abschlussgottesdienst der einwöchigen Veranstaltung im Salzburger Dom, deren Leitfrage lautete: "Wie geht es weiter? Zur Zukunft der Wissensgesellschaft". Kirche und Theologie förderten das Wissen und den Wissenszuwachs, "weisen aber auch auf seine Gefahren hin", sagte der Erzbischof.

Die Ergebnisse der Forschung seien unerlässlich, um etwa die Zusammenhänge von Erderwärmung und Klimawandel zu verstehen, führte Schick aus. "Es braucht Wissen über die Zusammenhänge von Kernspaltung und Energiegewinnung, Erkenntnisse über Viren, über das Wie der Ausbreitung, der Mutationen und ihrer Auswirkungen auf Gesundheit und Leben der Menschen. Es braucht Wissen in Soziologie und Psychologie, um das Leben besser zu verstehen und zu gestalten. Es braucht Wissen über Geschichte und Politik, die der Gerechtigkeit und dem Frieden dienen können."

Wissen in Form von "Herrschaftswissen" stelle allerdings eine Bedrohung dar, so Schick weiter. Es mache Menschen zu Knechten, spalte und zerstöre die Gesellschaft. Beispielhaft verwies der Erzbischof auf die Debatte um Patentrechte für den Corona-Impfstoff. Wissen könne "missbraucht und falsch gegen das Leben, die Menschen und die Schöpfung angewandt werden" wie etwa bei kriminellen Handlungen im Internet.

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Kirche habe die Aufgabe, Wissen und Würde des Menschen miteinander zu verbinden und über irdische Bezüge hinaus die Frage nach Gott offenzuhalten. "Das Himmelreich bedeutet Menschenrechte für alle, überall und zu jeder Zeit. Im Lebenswissen Jesu vom Himmelreich hat alles Wissen der Wissenschaft seinen guten Platz und es wird zum Lebenswissen", sagte Schick. Er unterstrich aber auch: "Eine Kirche und Theologie, die das Wissen nicht ernst nehmen, verdienen nicht den Namen."

Martin Dürnberger, Obmann der Salzburger Hochschulwochen, zog eine zufrieden Bilanz der Veranstaltung mit etwa 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. "Wir beobachten ein großes Bedürfnis, aus dem Lärm der Zeit herauszutreten, um gemeinsam darüber nachzudenken, was an der Zeit ist." Er hob hervor, dass dabei Kommunikation zunehmend wichtiger werde: "Um die großen Herausforderungen der Zeit kreativ anzugehen, brauchen wir nicht bloß Wissen, sondern auch die Fähigkeit, unterschiedliche Wissenswelten miteinander ins Gespräch zu bringen – gerade auch mit dem Glauben. Der romantische Rückzug in die eigene Filterblase bringt jedenfalls nicht weiter, man muss vielmehr gemeinsam auf dem Weg bleiben."

Diesem Gedanken seien auch die Salzburger Hochschulwochen verpflichtet, fügte Dürnberger hinzu. Sie hätten nach der pandemiebedingten Unterbrechung wieder ihren festen Platz als Wissensveranstaltung der Kirche im universitären Kontext. (KNA)