Standpunkt

Texte wie Vatikan-Schreiben zum Synodalen Weg ignorieren

Aktualisiert am 09.08.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Viele Medien haben über den Vatikan-Text zum Synodalen Weg berichtet – zu Unrecht, meint Stefan Kiechle. Damit ließen sich auch die Medien für eine stramm rechte und angstgeleitete Agenda instrumentalisieren. Er rät: Einfach ignorieren.

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Am 21. Juli erscheint ein Text des "Heiligen Stuhls" zum deutschen Synodalen Weg. Der Text hat keinen konkreten Absender, keinen Adressaten, keine Unterschrift. Er ist wenige Zeilen lang. Er sagt nur Altbekanntes und sachlich Anerkanntes. Der Ton ist teilweise scharf, restriktiv. Sonst nichts.

Schon formal ist der Text unter Niveau. Inhaltlich ist er wertlos. Soll man einen solchen Text beachten? Die Medien bringen ihn breit, manche große Tageszeitungen auf Seite 1. Kirchenleute nehmen Stellung: Konservative begrüßen ihn ("…bin dankbar…"), Reformorientierte schimpfen – alles exakt wie programmiert. Die Medien zitieren fleißig.

Manche sagen: "ein Foul von der Seite"; andere zeigen, wie ein solcher Text sie ärgert oder kränkt – alles irgendwie zu Recht. Aber warum gibt man den Autoren des Textes so viel Macht über sich? Warum sich von einem so armen Papierlein foul spielen oder gar kränken lassen? Ich nehme es nicht ernst, ignoriere es einfach. Übrigens verleiht auch, wer das Schreiben lobt, diesem Autorität – haben die Lobenden das nötig? Noch ein Armutszeugnis.

Vermutlich ist das ja alles Absicht: Im Sommerloch wird der Text zunächst anonym platziert – ein Traditionschrist kennt da wohl im Vatikan jemanden, der ihm das auf die Website schiebt, aber lieber anonym bleiben will; daran ändert übrigens nicht viel, dass der Papst später "das Staatssekretariat" als Urheber benennt, denn auch damit ist noch kein Name da und keine Unterschrift. Die mediale Wirkung ist gewaltig, das Kalkül geht auf. Merken eigentlich die Medien, wie sie instrumentalisiert werden? Für eine undurchsichtige, stramm rechte, ziemlich platte – und übrigens angstgeleitete Agenda? Warum hypen die Medien alles, was "Rom" im Titel hat und einen Konflikt verspricht, so sehr? Ist auch eine Art klerikaler Fixierung. Der Kirche schadet es nur ("schaut, wie sie streiten…"). Am meisten schadet es dem Papst, denn dieser wird – obwohl zitiert – für pauschale Abwertungen in Haftung genommen, gegen seine differenziertere Sicht der Synodalität in Deutschland und weltweit. Auch das wird Absicht sein. Dagegen wirkt nur ignorieren.

Natürlich partizipiere ich, indem ich über das Papier schreibe, noch dazu in einem Medium, das am Hype beteiligt ist, an dem, was ich kritisiere. Aber vielleicht hilft's ein wenig zur Selbstkritik.

Von Stefan Kiechle SJ

Der Autor

Pater Stefan Kiechle SJ ist seit 2018 Chefredakteur der Zeitschrift "Stimmen der Zeit". Zuvor leitete er sieben Jahre die Deutsche Provinz des Jesuitenordens.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.