Initiative unzufrieden mit DBK-Schreiben

Fall Stetter-Karp: Deutsche Bischofskonferenz antwortet "Maria 1.0"

Aktualisiert am 15.08.2022  –  Lesedauer: 

Eichstätt ‐ In einem Offenen Brief hat "Maria 1.0" die deutschen Bischöfe zur Beendigung der Zusammenarbeit mit ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp aufgefordert. Nun gibt es eine Antwort auf das Schreiben – die Initiative ist damit aber nicht zufrieden.

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Das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hat auf den Offenen Brief der reformkritischen Initiative "Maria 1.0" geantwortet und das eigene Engagement für das ungeborene Leben betont. "Wie Sie sicher wissen, engagieren sich die deutschen Bischöfe seit jeher mit großem Nachdruck für die Belange der Würde und des Schutzes menschlichen Lebens vom Augenblick der Zeugung bis zum natürlichen Tod", heißt es in einem vom Leiter des DBK-Büros zum Synodalen Weg, Frank Ronge, unterzeichneten Schreiben, das die Initiative am Montag veröffentlichte.

Es sei "eine Selbstverständlichkeit, jeder Form der allgemeinen Legalisierung und der gesellschaftlichen Etablierung von Abtreibungen ablehnend gegenüberzustehen", so Ronge. Dieses Engagement drücke sich unter anderem in der von der DBK mitverantworteten "Woche für das Leben" und in zahlreichen Texten und Beiträgen aus. In seinem Brief betonte Ronge, es entspräche den allgemein geltenden Regeln, Offene Briefe nicht individuell zu beantworten. "Dennoch danke ich Ihnen auf diesem Weg für die Hinweise und Anregungen, die Sie in Ihrem Schreiben gegeben haben und die wir kritisch rezipieren." Er lud die Initiative darüber hinaus ein, sich an der "Woche für das Leben" zu beteiligen, "und so das gemeinsame Engagement für den Lebensschutz zum Ausdruck zu bringen". 

"Maria 1.0" kritisierte in einer Pressemitteilung am Montag den Antwortbrief als "bemerkenswert nichtssagende Antwort". Eine Auseinandersetzung mit den Inhalten des eigenen Briefes finde nicht statt. Die deutschen Katholiken und Vertreter der Weltkirche und der Öffentlichkeit hätten einen Anspruch darauf zu erfahren, "warum der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz fortgesetzt schweigt und weiter an der Zusammenarbeit mit Frau Dr. Stetter-Karp an so exponierter Stelle festhält und warum Bischof Dr. Bätzing die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland an der Seite einer Frau gestalten möchte, die das Recht auf Leben der wehr- und schutzlosesten Menschen unter den Vorbehalt des Selbstbestimmungsrechts der Frau stellt und damit sowie mit der Forderung nach flächendeckenden Abtreibungsmöglichkeiten offen gegen die Lehre der Kirche verstößt", kritisiert die Initiative. Die Kernforderung bleibe daher unverändert bestehen.

Initiative will Brief erneut an Bischöfe verschicken

Die Initiative kündigte an, den Offenen Brief in den nächsten Tagen erneut an alle deutschen Diözesanbischöfe weiterzuleiten, "ergänzt um eine Liste der zahlreichen Unterstützer", so "Maria 1.0". "Das immens positive nationale und internationale Echo und das große Lob vieler Gläubiger, Priester, Bischöfe und namhafter Theologen, die sich bei uns gemeldet haben, bestärken uns dabei, diesen Weg weiterzugehen."

Am Donnerstag hatte die Initiative in einem Schreiben die deutschen Bischöfe aufgefordert, die Zusammenarbeit mit der Präsidentin des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK) zu beenden. Irme Stetter-Karp habe mit ihren Äußerungen zum Thema Abtreibung "eine rote Linie überschritten", hießt es in dem Brief an den DBK-Vorsitzenden, Bischof Georg Bätzing. Stetter-Karp, die auch Co-Präsidentin des katholischen Reformprojekts Synodaler Weg ist, missbrauche ihre Ämter, um die "angebliche Gleichsetzbarkeit des Selbstbestimmungsrechts der Frau und des Rechts auf Leben des ungeborenen Kindes zu bewerben".

Stetter-Karp hatte sich zuvor in einem Gastbeitrag für die "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" gegen Forderungen aus der Politik nach einer weiteren Liberalisierung der Abtreibung gewandt. "Paragraf 218a darf unter keinen Umständen in seiner Substanz angetastet werden." Der Paragraph 218a StGB regelt die Beratungslösung, nach der ein Schwangerschaftsabbruch unter bestimmten Bedingungen, darunter eine verpflichtende Beratung, straffrei bleibt. Zugleich hatte sie erklärt, für eine ergebnisoffene Entscheidung schwangerer Frauen sei "sicherzustellen, dass der medizinische Eingriff eines Schwangerschaftsabbruchs flächendeckend ermöglicht wird". Insbesondere im ländlichen Raum sei das derzeit aber nicht der Fall. (cbr)