Standpunkt

Die Benediktsregel kann auch außerhalb des Klosters Orientierung geben

Aktualisiert am 06.09.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Die jahrhundertealte Benediktsregel kann auch Grundlage für eine kirchliche Diskussionskultur in der Gegenwart sein, kommentiert Julia Martin. Vielleicht sogar mit Blick auf die anstehende Synodalversammlung des Synodalen Wegs.

  • Teilen:

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Die Benediktsregel ist auch außerhalb des Klosterlebens ein guter (Lebens-)Ratgeber. Und sie kann auch Grundlage für eine kirchliche Diskussions- und Debattenkultur sein, vielleicht sogar mit Blick auf die anstehende vierte Synodalversammlung des Synodalen Wegs.

Das Wichtigste zuerst – diesen alten Journalistengrundsatz hat der heilige Benedikt direkt im ersten Wort verinnerlicht: "Höre" ist das erste Wort seiner Regel. Dieses Hören, das Zuhören, das Aufeinander-Hören, zieht sich wie ein roter Faden durch die insgesamt 73 Kapitel seiner um 540 entstandenen Regel. Das Hören setzt voraus, dass man sich dem anderen zuwendet, dass man offen für ihn ist – nicht unbedingt, dass man direkt seiner Meinung ist. Abt und Mönche sollen Hörende sein. Im Hören verdeutlicht sich Respekt, der dem Gegenüber immer entgegengebracht werden sollte. Hören bedeutet Wertschätzung.

Weiter schreibt er, dass der Rat der Brüder einzuberufen ist, wenn wichtige Entscheidungen getroffen werden. Auch hier geht es um das Hören, das Zuhören, den Austausch. Wegweisend auch, dass Benedikt alle miteinbezieht, auch diejenigen, die in der damaligen Zeit in der Rangfolge im Kloster noch weniger Rechte hatten. Gleichzeitig mahnt er, Argumente nicht aus purem Eigennutz vorzubringen. Er hat die Einigkeit und den Frieden in der Gemeinschaft im Blick, vor allem aber Christus, auf den sich alles ausrichtet.

Besonders deutlich wird dieses Anliegen Benedikts, die Hinwendung zu Gott und die Gottsuche, ausgerechnet im Handwerkerkapitel, wobei der dortige Leitsatz sich durch das gesamte Handeln und Leben ziehen soll: "Ut in onmnibus glorificetur deus – damit in allem Gott verherrlicht werde" (RB 57,9). In allem Tun, in dem, wie mit dem Gegenüber umgegangen wird.

Bei aller derzeitigen Krisenstimmung, bei sämtlichen Fragestellungen, Konflikten und Herausforderungen kann es helfen, einen Blick in die Regel zu werfen – oder aber einfach mal im Sinne Benedikts zu hören...

Von Julia Martin

Die Autorin

Julia Martin ist Pressesprecherin der Benediktinerabtei Münsterschwarzach.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.