Eichstätter Bischof erläutert Abstimmungen beim Synodalen Weg

Hanke sieht in Sexualethik-Grundtext Bruch mit kirchlicher Lehre

Aktualisiert am 13.09.2022  –  Lesedauer: 
Gregor Maria Hanke im Portrait
Bild: © KNA/Simon Koy

Eichstätt ‐ Die meisten Bischöfe haben den Beschlüssen des Synodalen Wegs zugestimmt. Zu denen, die einigen Texten nicht zustimmten, gehört der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke: Einen "Bruch" mit der kirchlichen Lehre konnte er nicht mittragen.

  • Teilen:

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke sieht in dem abgelehnten Grundtext des Synodalen Wegs zur Sexualethik einen Bruch mit der ethischen Verkündigung der Kirche. In einem Interview mit der Eichstätter Kirchenzeitung begründete der Bischof am Dienstag damit seine Enthaltung bei der Abstimmung. Der Bruch bestehe vor allem im christlichen Menschenbild. "Da ist irgendwo auch ein gewisser Abschied erfolgt, etwa in den Passagen zur Geschlechter-Binarität", erläuterte Hanke. Eine Zustimmung zum ganzen Text hätte auch eine Abkehr von der biblischen Lehre der Zweigeschlechtlichkeit bedeutet. "Die biblische Lehre und die Einheit mit der Weltkirche kann ich nicht aufgeben, mich aber sehr wohl gerne in den kritischen Diskurs einbringen", betonte der Bischof. Dafür habe es aber zu wenig Zeit gegeben.

Ihm stelle sich die Frage, warum sich beim Synodalen Weg die Kirche erneut darum bemühe, sich in die menschliche Sexualität einzumischen. "Hat die Kirche damit bisher gute Erfahrungen gemacht?", fragte Hanke und warf die Frage auf, ob es nicht wichtiger wäre, "wenn wir die Bedeutung der Person Christi und seines Heils für unser Leben in den Mittelpunkt stellen und von diesem archimedischen Punkt die Fragen und Themen angingen". Darin sehe er die eigentliche Krise des Christseins heute verortet.

Auch einer lehramtlichen Neubewertung von Homosexualität hatte Hanke nicht zugestimmt. Er habe sich zwar für eine pastorale Neubewertung ausgesprochen: "Mir wurde aber gesagt, das reiche nicht, wir bräuchten eine lehrmäßige Umkehr." Er räumte ein, dass eine Nicht-Zustimmung subjektiv als Diskriminierung von homosexuellen Menschen empfunden werden kann. Den Vorwurf der Diskriminierung sehe er aber "im Blick auf unsere Kontextualität mit der Weltkirche" als schwierig an. Hier brauche es noch einiges an Klärung.

Synodalität noch ein sehr vager Begriff

Der Prozess der vierten Synodalversammlung hat nach Ansicht Hankes auch eine gewisse Klarheit gebracht, indem er offengelegt habe, dass Synodalität noch ein sehr vager Begriff sei: "Wir tun uns sehr schwer, aufeinander zu hören, andere Meinungen zu respektieren." Bei der Versammlung konnten Themen und Anliegen angesprochen werden, "die vielleicht allzu lange nicht ausgesprochen wurden oder ausgesprochen werden konnten."  Das sei auch ein wichtiger Schritt für die Psychohygiene im kirchlichen Miteinander. "Allerdings macht mich natürlich das Gesamtpaket auch sehr besorgt, weil ich nicht weiß, wie wir das weltkirchlich zusammenbringen können und wie wir das auch im Blick auf die Herkunft – ich möchte nicht so gerne das Wort Tradition verwenden, das ist mir zu statisch – einordnen können, damit Zukunft entsteht."

Auch die Bischofskonferenz habe in den letzten Jahren eine Selbstvergewisserung im Dialog versäumt: "Wo stehen wir? Wo stehe ich persönlich? Wo stehen wir als Konferenz? Wie ist das Meinungsbild bei uns? Ich glaube, das war in der Vergangenheit viel zu sehr tabuisiert", so der Bischof. In den Beratungen der Bischöfe vor den Abstimmungen sah Hanke daher keinen "Verfahrenstrick", sondern ein Nachholen der versäumten bischöflichen Selbstvergewisserung. Eine Krise des Bischofsamtes, wie sie etwa der Sprecher des Betroffenenbeirats bei der Deutschen Bischofskonferenz konstatiert hatte, konnte er dagegen nicht sehen: "Ich glaube aber, dass wir in der Wahrnehmung unserer Aufgaben und Pflichten vielleicht noch ausbaufähig sind."

Hanke gehört zu den Bischöfen, die bei der vierten Synodalversammlung einigen Texten nicht zugestimmt haben. Laut den Abstimmungsprotokollen stimmte er gegen den Grundtext "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" sowie die Handlungstexte "Lehramtliche Neubewertung von Homosexualität", "Grundordnung des kirchlichen Dienstes" und "Synodalität nachhaltig stärken". Beschlüsse des Synodalen Wegs bedürfen einer Zwei-Drittel-Mehrheit sowohl der ganzen Synodalversammlung als auch der anwesenden Bischöfe. Lediglich der Grundtext zur Sexualethik, der als erstes abgestimmt wurde, verfehlte das nötige Quorum der Bischöfe. An der vierten Synodalversammlung nahmen insgesamt 209 Delegierte teil, darunter waren 62 der 69 Bischöfe der Deutschen Bischofskonferenz. (fxn)