Standpunkt

Die Bischöfe haben eklatanten Nachholbedarf in Sachen Kommunikation

Aktualisiert am 15.09.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Albrecht von Croy ist fassungslos über die deutschen Bischöfe: Er macht bei ihnen mit Blick auf die vergangene Synodalversammlung eine höchst mangelhafte Diskursfähigkeit aus. Damit würden sie vor allem die letzten Wohlmeinenden verprellen.

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Es hilft ja nichts: Manche Wahrheiten müssen wiederholt werden bis zum Erbrechen, wenn sie sich denn durchsetzen sollen. Ein altes Gesetz aus der Kommunikation. Also: Die deutschen Bischöfe haben nach wie vor eklatanten Nachholbedarf in Sachen Kommunikation! Wenn es dafür eines weiteren Beweises bedurft hätte, so war es die vierte Versammlung des Synodalen Wegs. Öffentliches Echo: verheerend. "Eklat, Debakel, Katastrophe." Mancher der Bischöfe mag sich im Nachhinein die Augen gerieben haben vor Verwunderung, war doch die Abstimmung über den Grundlagentext "Leben in gelingenden Beziehungen" eine, die in ihren Augen der Satzung und der Geschäftsordnung gemäß abgelaufen ist. Ist sie, in der Tat. Und manche Reaktion auf das Ergebnis war auffallend wenig synodal und verschreckend weinerlich.

Nirgendwo steht nämlich geschrieben, dass Abstimmungen immer nach einer Seite ausfallen müssen, auch nicht in der Geschäftsordnung des Synodalen Wegs. Und es gehört auch zur Wahrheit, dass in den Vollversammlungen nicht immer eine zum Widerspruch "inspirierende" Diskussionskultur herrscht. Aber dennoch: Sich deswegen zu verweigern, sich vorher nicht zu erkennen zu geben, sich nicht mit Beiträgen und Anwesenheit in einen Meinungsbildungsprozess eingebracht zu haben, sich thematisch buchstäblich in die Büsche zu schlagen, ist nichts anderes als kommunikatives Versagen. Angesichts einer wahrlich singulären Kirchenkrise macht solches Verhalten sprach-, eher fassungslos. Wann beginnen die Herren zu verstehen, was da "draußen" los ist? Wann steigen sie vom hohen Ross solchen Kommunikationsgebahrens? Wann werden sie erkennen, dass sie wenigstens mit denen, die noch da sind, die Kirche noch leben und sie auch verteidigen, auf Augenhöhe agieren sollten? Viele Wohlmeinende berichten ernüchtert von abgebrochenen Gesprächen, nicht beantworteten Briefen oder Mails. Führungskräften von katholischen Verbänden passiert es auch heute noch, dass E-Mails ungelesen gelöscht werden.

Allen Ernstes, liebe Bischöfe und Generalvikare: Wollen Sie die Wohlmeinenden, diejenigen, die mit Ihnen im deutlich steiler gewordenen Weinberg des Herrn arbeiten, die den viel schwerer gewordenen Karren der katholischen Kirche in Deutschland ziehen, auch noch verprellen? Reden, schreiben, telefonieren Sie mit denen, die noch da sind! Sonst passen wir bald wirklich in eine Telefonzelle!

Von Albrecht von Croy

Der Autor

Albrecht von Croy ist Mitherausgeber von "theo – das katholische Magazin" und Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.