Passauer Bischof befürchtet Fortsetzung des "Wegs in die Selbstsäkularisierung"

Oster zu Synodalem Weg: Gemeinsame Position der Bischöfe kaum denkbar

Aktualisiert am 16.09.2022  –  Lesedauer: 
Stefan Oster
Bild: © KNA/Maria Irl

Passau ‐ Auch der Passauer Bischof Stefan Oster blickt kritisch auf die vierte Synodalversammlung zurück. Er selbst hoffe zwar weiter auf eine Suche nach Einmütigkeit beim Prozess – könne sich eine gemeinsame Position der Bischöfe aber nur schwer vorstellen.

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Für den Passauer Bischof Stefan Oster scheinen die Positionen der Bischöfe zu den Themen des Synodalen Wegs "kaum mehr versöhnbar". Er hoffe zwar, dass die Oberhirten eine gemeinsame Position finden, tue sich mit dieser Vorstellung allerdings schwer, sagte Oster in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit dem "Passauer Bistumsblatt". Einige Bischöfe hätten bereits "sehr deutlich signalisiert", wie sie weitergehen und was sie schon jetzt umsetzen wollten. Zudem kritisierte der Bischof, dass es bei der vierten Vollversammlung "viel mehr um politische Prozesse, um Taktik und die Suche nach Allianzen" gegangen sei "als um ein gemeinsames Hören aufeinander".

Dass die Kirche Reformen benötige, sei unbestritten, so Oster weiter. Doch er stelle in Frage, ob dies auf dem Synodalen Weg gut gehe – "ohne damit sagen zu wol­len, die bespro­che­nen The­men sei­en nicht wich­tig". Bei manchen Themen gingen die Beschlüsse allerdings in die "offene Konfrontation mit dem Lehramt". Damit sei auch der Abschied von wesentlichen Inhalten des christlichen Menschenbildes und des katholischen Kirchenverständnisses verbunden.

Besseren Blick auf den Einzelnen

Oster erklärte, er könne verstehen, dass es nach der Ablehnung des Grundtexts zur Sexualmoral zu großer Enttäuschung und Wut bei queeren Synodalen gekommen sei. "Mich beschäftigen diese Fragen ja auch schon lange – auch im persönlichen Gespräch mit queeren Personen, wiederverheiratet-geschiedenen Personen und vielen anderen, die sich durch kirchliche Lehre ausgeschlossen fühlen." Durch solche Gespräche werde deutlich, dass die Kirche in Sachen Lehre Vertiefung sowie mehr Unterscheidung und den Blick auf den Einzelnen brauche. "Aber in wesentlichen Grundüberzeugungen glaube ich immer noch, dass die Kirche das Richtige lehrt", so Oster.

Es sei zwar richtig, dass die Kirche den Dialog mit den Humanwissenschaften brauche, betonte der Passauer Bischof. "Zugleich dürfen wir im Glauben aber auch nicht vernachlässigen, was wir aus der Offenbarung lernen." Der Glaube an Christus könne zu tiefgreifender Veränderung der Überzeugungen eines Menschen im Blick auf die Welt und auf sich selbst führen – "bei jedem Menschen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung". All das komme aus dem Leben des Glaubens und könne deshalb von keiner der Humanwissenschaften erfasst werden.

Vierte Synodalversammlung: Ringen um Beschlüsse – und den Zeitplan

Nach einigen wichtigen Beschlüssen konnte die vierte Synodalversammlung doch noch relativ erfolgreich zu Ende gehen. Doch bei den meisten bleibt die Enttäuschung über den abgelehnten Grundtext zur Sexualmoral. Zudem befindet sich der Synodale Weg in Zeitnot. Eine Bilanz der Tage in Frankfurt.

Wenn die kirchliche Lehre nur noch als bloße Moralvorschrift kommuniziert werde, würde sie von den Menschen kaum mehr verstanden und könne tatsächlich Leidensgeschichten produzieren. "Natürlich müssen wir offen und einladend sein für alle Menschen jedweder Orientierung", so der Bischof. Anschließend gehe es darum, gemeinsame Wege zu suchen. "Einfach eine Person ungesehen als ​"Sünder' abstempeln, ist doch längst kein Weg mehr", unterstrich Oster.

Er selbst hoffe nach wie vor auf ein "Suchen und Ringen nach Einmütigkeit" und wolle dazu einen Beitrag leisten, so Oster. "Aber ich fürchte, dass sich der Weg der Kirche in Deutschland in die Selbstsäkularisierung weiter fortsetzt." Eine Weiterentwicklung der katholischen Lehre habe es immer gegeben. Aber viele der beim Synodalen Weg diskutierten Fragen beträfen die Schöpfungsordnung. Es sei zwar vorstellbar, dass ein neues Konzil solche grundlegenden Fragen verhandele, "und da würden sie auch hingehören". Dann würde sich jedoch zeigen, dass die Kirche bei wesentlichen Grundpfeilern keine Möglichkeit zur Veränderung habe, wenn auch zur Dif­fe­ren­zie­rung und zu pas­to­ra­len Zugän­gen.

Bei der vierten Vollversammlung des Synodalen Wegs war das Grundsatzpapier "Leben in gelingenden Beziehungen – Grundlinien einer erneuerten Sexualethik" an der Sperrminorität der Bischöfe gescheitert. Das Papier sah unter anderem Reformbedarf in der Haltung der Kirche zu künstlicher Verhütung, homosexuellen Partnerschaften und der Geschlechteridentität. Beschlossen wurden hingegen der Grundtext zu Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche, zwei Handlungstexte aus dem Forum zur Sexualmoral, unter anderem zu einer Neubewertung der Homosexualität, sowie ein Handlungstext zur Vorbereitung der Einführung eines "Synodalen Rates" in Deutschland. Mehrere Bischöfe hatten in den vergangenen Tagen die Ablehnung des Grundtextes zur Sexualmoral bedauert, andere hingehen hatten betont, dass der Text einen Bruch der kirchlichen Lehre darstelle. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, kündigte an, dass der Text trotz Ablehnung in den weltkirchlichen Dialog eingebracht werden soll. (mal)