Laiengremium äußert sich nach gescheitertem Sexualmoral-Text

ZdK erwartet "Klarstellung" der Bischöfe zu queeren Menschen

Aktualisiert am 19.09.2022  –  Lesedauer: 

Berlin ‐ Die Ablehnung des Sexualmoral-Textes durch die Bischöfe rief große Kritik hervor. Jetzt fordert das Präsidium des Zentralkomitees der deutschen Katholiken von der Bischofskonferenz eine "Klarstellung" zum Respekt vor queeren Menschen.

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Das Präsidium des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) erwartet von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) eine "Klarstellung" zum Respekt vor queeren Menschen. Nach der jüngsten Synodalversammlung des Synodalen Wegs und wenige Tage vor Beginn der Herbstvollversammlung der DBK in Fulda müssten die Bischöfe ihre Mitverantwortung dafür wahrnehmen, "jede Form von Diskriminierung" zu überwinden, erklärte das ZdK-Präsidium am Montag in Berlin. Es gehe "um überprüfbare Handlungen", nachdem auf der Synodalversammlung der Grundtext zur Erneuerung der katholischen Sexualethik an der Sperrminorität der Bischöfe gescheitert sei.

"Das Präsidium des ZdK steht klar an der Seite der queeren Menschen", hieß es in der Erklärung des Laiengremiums. Nicht nur jene, die sich auf dem Synodalen Weg und in der Kirche engagierten, habe das Abstimmungsverhalten der Bischöfe verletzt, die gegen den Grundtext des Synodalforums 4 "Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft" gestimmt hätten. "Die Spitze der katholischen Laienbewegung ist zutiefst davon überzeugt, dass die römisch-katholische Kirche kein Ort der Diskriminierung sein darf."

Bei der jüngsten Synodalversammlung in Frankfurt am Main hatte eine Sperrminorität der Bischöfe die Annahme des Grundtextes über Grundlinien einer erneuerten Sexualethik verhindert. 33 Bischöfe stimmten für den Text, 21 dagegen, drei enthielten sich der Stimme. Damit war der Text an der nach der Satzung nötigen Zweidrittel-Mehrheit der Bischöfe gescheitert. "In der vorangegangenen Diskussion haben sich die meisten Gegner des Textes nicht entsprechend geäußert", erklärte das ZdK-Präsidium. Für gelingende Synodalität seien jedoch transparente Kommunikation und Dialogbereitschaft unabdingbare Voraussetzungen. (stz)

Die Erklärung des ZdK-Präsidiums im Wortlaut:

Das Präsidium des ZdK steht klar an der Seite der queeren Menschen, die sich im synodalen Weg und in der katholischen Kirche engagieren. Sie und mit ihnen viele andere hat das Abstimmungsverhalten der 21 Bischöfe verletzt, die bei der vierten Vollversammlung des Synodalen Weg gegen den Grundtext des Forums "Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft" gestimmt haben.

Die Spitze der katholischen Laienvertretung ist zutiefst davon überzeugt, dass die römisch-katholische Kirche kein Ort der Diskriminierung sein darf. Alle Menschen sind von Gott geschaffen und geliebt, in ihrer jeweiligen sexuellen Identität und sexuellen Orientierung. Dafür stand das ZdK schon vor Beginn des Synodalen Wegs. Bei der Abstimmung in Frankfurt hat eine Sperrminorität der anwesenden Bischöfe ausgereicht, um eine Entscheidung zur dringend notwendigen Erneuerung der katholischen Sexualmoral zu verhindern. Erschütternd ist nicht nur der Umgang mit queeren Menschen, sondern auch der Mangel an Verantwortungsbereitschaft: In der vorangegangenen Diskussion haben sich die meisten Gegner des Textes nicht entsprechend geäußert oder auch entsprechende Änderungswünsche kenntlich gemacht. Für gelingende Synodalität sind jedoch transparente Kommunikation und Dialogbereitschaft unabdingbare Voraussetzung.

Das Präsidiums des ZdK erwartet von der Bischofskonferenz eine unmissverständliche Klarstellung und überprüfbare Handlungen, damit jede Form von Diskriminierung überwunden wird. Die Kirche muss ein "sicherer Ort" sein, ein Haus des Lebens im Namen Gottes.