Standpunkt

Das Vermächtnis der Queen – und wie es die Kirche inspirieren kann

Aktualisiert am 20.09.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Was hat die Amtsführung von Queen Elizabeth II. besonders ausgezeichnet? Sie sei oberste Repräsentantin gewesen und habe sich ansonsten zurückgenommen, kommentiert Stefan Orth. Davon könnten sich durchaus auch Papst und Bischöfe anregen lassen.

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Wie im Leben so im Tod: Der Abschied von Elizabeth II. ist nur mit Superlativen zu beschreiben. Wohl die Hälfte der Weltbevölkerung hat den Gottesdienst zu ihrer Beerdigung verfolgt, die Zahl der angereisten Staatsoberhäupter führte zum größten Polizeieinsatz der englischen Geschichte, allein die mehr als 24 Stunden Wartezeit verheißende Schlange derer, die noch einmal am Sarg Abschied nehmen wollten, verlangt alleine schon höchsten Respekt.

Auch dem Leben der Queen und ihrer sieben Jahrzehnte währenden Regentschaft wird man nur mit historischen Maßstäben gerecht. Sie hat es dabei geschafft, die Institution Monarchie weiter zu modernisieren. Auch mit Blick auf ihre Rolle als Oberhaupt der anglikanischen Kirche gab es entsprechende Schritte: Katholiken auf der Insel haben mehr Rechte bekommen, bis in die königliche Familie hinein, Elizabeth II. war die erste englische Königin, die eine Moschee besuchte und sie hat sich für Religionsfreiheit eingesetzt. Sie hat auch sonst Traditionen behutsam, aber kontinuierlich verändert und gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung getragen.

Dass es zu dieser weltweiten Resonanz auf ihren Tod kam, beweist die Lebendigkeit einer Institution, die von ihrer weltweiten Bedeutung her durchaus mit der katholischen Kirche und dem Papst an ihrer Spitze verglichen werden könnte. Der Unterschied: König Elizabeth II. war vor allem oberste Repräsentantin und hat die Politik "ihrer" Regierung überlassen, die nach allen Regeln der Kunst demokratisch bestimmt wird.

Natürlich muss es Kirchenleitungen stärker auch im Inhalte gehen, lassen sich beide Systeme nicht ohne Weiteres vergleichen. Das ändert aber nichts daran, dass Papst und Bischöfe sich durchaus hier und da davon anregen lassen könnten, wie man die Bedeutung einer Institution gerade deshalb nicht aufs Spiel setzt, weil man sich zurücknimmt und – wo es zweckmäßiger ist – andere Mechanismen zum Zug kommen lässt.

Von Stefan Orth

Der Autor

Dr. Stefan Orth ist Chefredakteur der Herder Korrespondenz.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.