Standpunkt

Flanderns Bischöfe gehen richtigen Weg – aber nur ersten Schritt

Aktualisiert am 22.09.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Die Bischöfe der belgischen Region Flandern haben einen zaghaften Vorstoß für die Segnung homosexueller Paare gewagt. Ein löblicher Schritt, findet Christoph Brüwer. Dabei dürfe es aber nicht bleiben, wenn die Kirche ihren Auftrag erfüllen wolle.

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Am Dienstag haben die Bischöfe der belgischen Region Flandern einen vorsichtigen Vorstoß gewagt: Sie haben einen Gebetsvorschlag inklusive Segnung homosexueller Paare vorgelegt. Auch wenn sie dabei im Nachhinein nicht von einer liturgischen Feier sprechen wollen, ist es ein erster wichtiger Schritt, die Segnungen grundsätzlich gutzuheißen statt sie nur stillschweigend zu akzeptieren.

Auch für die deutschen Bischöfe kann das ein Vorbild sein. Bei der dritten Synodalversammlung im Februar dieses Jahres wurde ein Handlungstext zu "Segensfeiern für Paare, die sich lieben" zwar bereits in erster Lesung beraten, ein endgültiger Beschluss des Synodalen Wegs steht aber noch aus – ganz zu schweigen vom konkreten liturgischen Ablauf. Dass der Wunsch danach jedoch auch in Deutschland Relevanz hat, zeigt nicht nur die Aktion "OutInChurch".

Doch so löblich solche zaghaften ersten Vorschläge wie der aus Belgien auch sein mögen, sie können und dürfen nur der Anfang sein. Denn noch immer verurteilt das kirchliche Lehramt gelebte Homosexualität als Sünde, noch immer bezeichnet der Katechismus diese "Neigung" als "objektiv ungeordnet" und ruft homosexuelle Menschen zur Keuschheit auf. Noch immer können queere Kirchenmitarbeitende nicht sicher sein vor Entlassungen, wenn sie ihre sexuelle Orientierung publik machen. Noch immer gilt Homosexualität als Weihehindernis für Priesteramtskandidaten.

Der Queer-Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Essener Weihbischof Ludger Schepers, deutete unlängst an, es müsse die Kirche "wachrütteln, wenn unsere 'katholische Morallehre' die Legitimation für Taten seitens eines Staates – davon gibt es einige – Einzelner oder Gruppen ist, die Ausgrenzung, Angst bis hin zur Tötung zur Folge haben". Hier hätte die Kirche die Chance, ihren Auftrag ernst zu nehmen und an die Seite marginalisierter Menschen zu treten anstatt über ihr Leben zu urteilen.

Inwieweit zarte Pflänzchen wie der nun publizierte Vorstoß der flämischen Bischöfe oder der Handlungstext des Synodalen Wegs zur lehramtlichen Neubewertung von Homosexualität zu einem wahrhaften Umdenken in der Kirche führen, wird sich zeigen müssen. Nötig wäre es allemal.

Von Christoph Brüwer

Der Autor

Christoph Brüwer ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.