Außer- wie innerkirchlich steigt der Druck auf das Projekt

Der Streit um die Kölner Theologie-Hochschule spitzt sich zu

Aktualisiert am 22.09.2022  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Kardinal Woelki treibt das Projekt weiter voran – doch der Widerstand gegen die Kölner Hochschule für Katholische Theologie nimmt zu. Nach der Kritik aus Kirchen- und Hochschulkreisen kommen auch deutliche Mahnungen aus der Politik.

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Der Streit um die vom Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki vorangetriebene bistumseigene Kölner Hochschule für Theologie (KHKT) spitzt sich zu. In dieser Woche setzte auch NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes (CDU) ein deutliches Warnsignal. Sie pochte mit Verweis auf den Vertrag zwischen dem Land und dem Vatikan darauf, dass Priesteramtskandidaten des Erzbistums Köln an der Uni Bonn und nicht an der KHKT studieren. Aber nicht nur von außen nimmt der Druck auf das Projekt zu, sondern auch innerkirchlich.

Zum Beispiel bei der am Mittwoch beendeten zweitägigen Klausur der 15 Stadt- und Kreisdechanten, also der lokalen katholischen Repräsentanten. An der Sitzung nahm zeitweise auch Woelki teil. Vier der Stadtdechanten – aus Bonn, Düsseldorf, Köln und Wuppertal – hatten sich schon in den vergangenen Wochen wegen der rechtlichen Probleme und der ungeklärten Finanzierung gegen das Projekt positioniert: Die 2020 von den Steyler Missionaren in Sankt Augustin übernommene und als KHKT in Köln weiter betriebene Hochschule sei überflüssig; das gegenwärtige Angebot an katholischer Theologie an vier staatlichen Universitäten im Erzbistum Köln reiche quantitativ und qualitativ aus.

Kritischer Brief an Woelki

Dieses Nein brachte den Erzbischof auf die Palme – und zu der Aussage im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), dass er die Entscheidung für die KHKT nicht allein getroffen habe: "Sie wurde in zahlreichen Gremien behandelt – auch bei den Stadt- und Kreisdechanten." In der Tat hatte Woelki schon 2019 das Projekt in mehreren Gremien vorgestellt. Was der Erzbischof aber genau in den Sitzungen besprochen hat und wofür die Gremien ihr grünes Licht gegeben haben, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Zur aktuellen Klausur der Stadt- und Kreisdechanten hat deren Sprecher Bruno Kurth vorab als Diskussionsgrundlage einen sehr kritischen Brief an den Kardinal geschrieben. In dem der KNA vorliegenden Schreiben wehrt sich der Wuppertaler Geistliche gegen den im Interview vermittelten Eindruck, die Dechanten hätten den Aufbau der KHKT unterstützt. Er verweist darauf, dass bei der betreffenden Konferenz am 5. Juli 2019 die Übernahme der Hochschule durch eine Stiftung bereits entschieden gewesen sei. Die Dechanten hätten das Projekt zwar gutgeheißen – aber unter völlig anderen Rahmenbedingungen

Rainer Maria Woelki im Portrait
Bild: ©KNA/Bert Bostelmann

Alle Entscheidungen über "die konkrete Gestalt der Hochschule, wie sie sich heute versteht und präsentiert", seinen ohne eine Befassung der Stadt- und Kreisdechanten, des Priesterrates und des Diözesanpastoralrates getroffen worden, schreibt der Wuppertaler Stadtdechant Bruno Kurth in einem kritischen Brief an Kardinal Woelki.

Damals sei nur "von einer temporären Weiterführung" der Hochschule für sechs Jahre die Rede gewesen, um der Bitte der Steyler und des Vatikan zu entsprechen, den vorhandenen Studenten einen Abschluss zu ermöglichen. "Von einer nachhaltigen Institutionalisierung der Hochschule war nicht die Rede", führt Kurth aus.

Zur finanziellen Sicherstellung des Hochschulprojektes sei zudem erklärt worden, dass die Trägerstiftung keine Kirchensteuermittel und kein Bistumsvermögen in Anspruch nehmen werde. Die Hochschule werde vollständig aus dem bischöflichen BB-Fonds sowie durch Sponsoring finanziert. Die Kosten seien auf 1,2 Millionen jährlich über sechs Jahre beziffert worden. "Für die Zustimmung der Dechanten und wohl auch anderer Gremien war dieser Punkt wichtig", betont Kurth. Und: Woelkis jüngste Interview-Aussagen, wonach nur "zunächst" zur Finanzierung der KHKT keine Kirchensteuermittel eingesetzt würden, sei "mit Blick auf das Protokoll unserer Sitzung falsch".

Kosten "nicht seriös berechnet"

Inzwischen erhält die Trägerstiftung, deren langfristiger Bedarf auf acht bis zehn Millionen Euro taxiert wird, mehr als drei Millionen Euro pro Jahr aus dem bischöflichen Fonds, der allerdings allmählich zur Neige geht. Zur Entwicklung der Kosten notiert Kurth in seinem Schreiben, dass diese wohl "nicht seriös berechnet waren".

Weiter führt der Stadtdechant im Namen seiner Amtskollegen aus, bei den vorgestellten Planungen sei weder von einem Namenswechsel der Hochschule noch von einer Neubesetzung des Professorenkollegiums die Rede gewesen. Man habe davon ausgehen müssen, dass unbesetzte Lehrstühle nur durch Lehrbeauftragte besetzt werden. Überdies seien alle Entscheidungen über "die konkrete Gestalt der Hochschule, wie sie sich heute versteht und präsentiert", ohne eine Befassung der Stadt- und Kreisdechanten, des Priesterrates und des Diözesanpastoralrates getroffen worden. "In welchem der diözesanen Beratungsgremien gab es überhaupt eine ergebnisoffene Beratung?", so Kurth – und: "Drei Jahre nach Aufnahme des Lehrbetriebes ist keine angepasste Wirtschaftsplanung vorgelegt."

Diese soll dem Vernehmen nach inzwischen stehen. Am Donnerstag tagt der Kirchensteuer- und Wirtschaftsrat. Die Tagesordnung ist nicht öffentlich, aber es ist davon auszugehen, dass die KHKT Thema ist. Von den 25 Mitgliedern des zu Jahresbeginn neu zusammengesetzten Gremiums war nur ein Drittel in der damaligen Sitzung dabei. Auch hier stellt sich die Frage, wie der Erzbischof für die Hochschul-Übernahme warb. Ob etwa auch dort gesagt wurde, dass (die offenbar nicht gefundenen) Sponsoren die Existenz der Einrichtung sichern sollen. So unbekannt wie der Wirtschaftsplan ist auch die Position des Gremiums zu der Hochschule. Kirchensteuer ja oder nein, KHKT ja oder nein – eine Entscheidung drängt.

Von Andreas Otto (KNA)