Belastung durch Osnabrücker Studie

Nach Missbrauchsbericht: Bischof Bode will im Amt bleiben

Aktualisiert am 22.09.2022  –  Lesedauer: 

Osnabrück ‐ Der am Dienstag vorgestellte Zwischenbericht zu Missbrauch im Bistum Osnabrück belastet auch den amtierenden Bischof Franz-Josef Bode. Seinen Amtsverzicht will er jedoch nicht anbieten, wie er am Donnerstag mitteilte.

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Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode (71) will trotz Fehlern im Umgang mit Missbrauch im Amt bleiben. Das gab er am Donnerstag in Osnabrück bekannt. Bode äußerte sich mit Blick auf den am Dienstag vorgestellten Zwischenbericht zu Missbrauch im Bistum Osnabrück seit 1945, der auch ihn selbst belastet. Weil der Missbrauchsbericht ihm für die vergangenen zehn Jahre einen deutlichen "Lernprozess" bescheinige, wolle Bode weitere Verbesserungen im Umgang mit sexuellem Missbrauch "mit aller Kraft" vorantreiben.

Er habe sich schon vor Veröffentlichung des Zwischenberichts mit dem Thema Rücktritt beschäftigt, so der Bischof. Eine Vakanz des Bischofssitzes hätte jedoch den Aufarbeitungsprozess unterbrochen. Daher habe er sich am Dienstagabend dazu entschlossen, im Amt bleiben zu wollen, sagte Bode. Für persönliches Versagen bat er um Vergebung. Zur Verbesserung des diözesanen Schutzprozesses solle künftig ein unabhängiger Beauftragter mit Weisungsbefugnis in jedem Verdachts- und Missbrauchsfall den ordnungsgemäßen Ablauf des Verfahrens gewährleisten. Auch will der Bischof eine Ombudsstelle für Betroffene einrichten. Aus der Bistumsleitung ausgelagert wird laut Bode zudem der Vorsitz der Gruppe, die sich um Täter und Beschuldigte kümmert.

Laut der Studie der Universität Osnabrück hat das Bistum über das Jahr 2000 hinaus "teils schwerwiegend gegen die Pflichten" zur Verhinderung weiterer Straftaten in Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch verstoßen. Insbesondere die Bischöfe treffe "bei Entscheidungen über den weiteren Einsatz Beschuldigter eine individuelle Verantwortung", hieß es. Vor allem unter den früheren Oberhirten Helmut Hermann Wittler (1957-1987) und Ludwig Averkamp (1987-1994) habe es etliche Pflichtverletzungen gegeben. Dies gelte aber auch für Bode in seinen ersten Amtsjahren.

"Ich trage die Verantwortung dafür"

In einer ersten Reaktion hatte sich Bode nachdenklich gezeigt. "Jetzt beschäftigt es mich sehr, wie blind wir eigentlich gewesen sind und wie blind ich gewesen bin für das Leiden und die Perspektiven der Betroffenen", sagte der Bischof. "Ich trage die Verantwortung dafür, auch für das System im Bistum."

Bereits 2018 hatte Bode Versäumnisse beim Umgang mit Missbrauch eingeräumt. Damals habe er jedoch nicht über einen Rücktritt nachgedacht, wie er in einem katholisch.de-Interview aus Anlass seines 70. Geburtstags im vergangenen Jahr sagte: "Ich meinte, dass es doch wichtig wäre, die Zukunft und den weiteren Weg so mitzugestalten, dass es dann auch richtig und besser gemacht werden kann. Insofern habe ich nicht ernsthaft an einen Rücktritt gedacht."

Bode ist seit 1995 Bischof des Bistums Osnabrück und damit Deutschlands dienstältester Diözesanbischof; zum Zeitpunkt seiner Amtseinführung war er zudem mit 44 Jahren der jüngste deutsche Oberhirte. Seit 2017 ist Bode stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Zudem ist er einer der beiden Vizepräsidenten des Synodalen Wegs. (tmg)

22.9., 11:40 Uhr: Ergänzt um weitere Aussagen. 12:45 Uhr: Ergänzt um Maßnahmen.