Standpunkt

In einer Zeit globaler Krisen füreinander Seelenwärmer sein

Aktualisiert am 23.09.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Krieg in der Ukraine, Energiekrise, steigende Preise: Im dritten Corona-Winter kommen weitere existentielle Krisen und Konflikte dazu. Theresia Kamp wünscht sich eine neue Welle der menschlichen Wärme und Solidarität – gerade aus dem Glauben heraus.

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"Winter is coming" – der Temperatursturz der letzten Tage hat das spürbar werden lassen. Heute ist kalendarischer Herbstanfang. Erfahrungsgemäß ist die kalte Jahreszeit in Sachen Corona am herausforderndsten, viele Menschen blicken mit Sorge darauf. Was sich niemand vorstellen konnte: Im dritten Corona-Winter kommen weitere existentielle Krisen und Konflikte dazu – der Krieg in der Ukraine, die Energiekrise, die steigenden Preise.

Als Corona so richtig zuschlug und die Welt in Atem hielt, sprossen Solidaritätsappelle aus dem Boden: kurze Texte und Bilder, die Mut und Hoffnung machten, aber auch Aktionen wie das gleichzeitige Anzünden von Kerzen am Abend. Mancher Post enthielt sogar eine Vision, wie das Leben nach Corona aussehen könnte, wenn Menschen langsamer, bewusster, dankbarer leben würden. Von alldem ist nicht mehr viel übriggeblieben. Die Welt wurde, sobald sie konnte, genauso schnelllebig, hektisch und unbarmherzig wie vorher.

Vielleicht ist jetzt, im Angesicht gleich mehrerer Krisen, ein guter Zeitpunkt, sich wieder auf diese Einsichten zurückzubesinnen. Vielleicht braucht es genau jetzt eine neue Welle der menschlichen Wärme und Solidarität. Noch gibt es keine Kontaktbeschränkungen, also könnte sie nicht nur digital, sondern auch analog stattfinden: zum Beispiel mit einem Lächeln für den Nachbarn, wenn man das Haus verlässt; einem „Danke“ für etwas, das man sonst als selbstverständlich hinnimmt; zehn Minuten, um jemandem wirklich zuzuhören; Trinkgeld in Zeiten, in denen jeder knauserig ist – Kleinigkeiten, die doch oft das sind, was einen Tag von den anderen unterscheidet.

Es wäre schön, wenn nicht nur mein Instagram-Feed immer wärmere Farben bekommen würde, sondern wir in einer Zeit globaler Krisen auch gegenseitig füreinander Seelenwärmer werden würden – aus dem Glauben heraus, dass für Gott jeder einzelne Mensch wertvoll und kostbar ist.

Von Theresia Kamp

Die Autorin

Theresia Kamp hat Theologie und Romanistik studiert. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Pastoraltheologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und schreibt regelmäßig für verschiedene christliche Medien.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.