Zusammensetzung der Synodalversammlung spiegele Kirchenvolk nicht wider

Bischof Meier: Synodaler Weg ist Spagat für Bischöfe

Aktualisiert am 23.09.2022  –  Lesedauer: 

Augsburg ‐ Weltkirche, Ökumene, Evangelisierung: Diese Kernthemen der Kirche kommen beim Synodalen Weg zu kurz, meint Bischof Bertram Meier. Er sieht den Reformprozess als Zerreißprobe – und verweist auf das Gehorsamsversprechen der Bischöfe.

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Der Augsburger Bischof Bertram Meier hat die Beratungen bei den Versammlungen des Synodalen Wegs als Spagat für die Bischöfe bezeichnet. Auf der einen Seite seien Bischöfe dem Dienst an der kirchlichen Einheit verpflichtet, sagte Meier in einem Interview mit dem diözesanen Jugend-Internetportal "Credo" am Mittwoch. "Ich habe bei meiner Bischofsweihe versprochen, dass ich den Glauben in der Tradition der Kirche – in Einheit und in Unterordnung mit dem Papst – verkünden will", so der Bischof. Auf der anderen Seite wolle er klar Stellung beziehen: "Da weiß man, was ich denke."

Er versuche zu gewährleisten, dass das Volk Gottes, das beim Synodalen Weg vertreten sei, nicht ausgegrenzt werde, sagte Meier weiter. Die Zusammensetzung des Kirchenvolkes in der Synodalversammlung spiegele nicht unbedingt alle Gläubigen in Deutschland wider. Das wisse er aus "vielen Gesprächen mit dem Volk Gottes aus Augsburg", so der Bischof. In Fragen der kirchlichen Lehre könne der Synodale Weg keine "deutschen Entscheidungen" treffen. Es sei besonders wichtig, dies gut zu differenzieren.

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Besonders bei drei Grundthemen müsse sich der Synodale Weg über die dahinterstehenden Fragen im Klaren sein. Meier nannte hier die Anthropologie als Frage nach dem Menschen innerhalb der christlichen Schöpfungsordnung. Mit Blick auf die Christologie habe man sich zu fragen, ob Jesus Christus ausschließlich ein Kind seiner Zeit sei, seine Lehre weiterentwickelt werden müsse und ob dies die Aufgabe der Menschen sei. Als dritten Punkt führte Meier die Frage nach dem Wesen und der Struktur der Kirche an. "Ist sie nur communio im Sinne einer Kommunikation oder ist es eine doch geordnete communio hierarchica?" Die kirchliche Hierarchie sei der Kirche von Jesus Christus geschenkt worden.

Meier warnte die Kirche in Deutschland davor, "überall die besten, die ersten sein zu wollen". Die Kirche in Deutschland sei eine vergleichsweise kleine Ortskirche innerhalb der großen Weltkirche. "Unsere Stimme soll gehört werden, aber wir haben nicht ständig in der Weltkirche einen Solo-Auftritt." Meier bezeichnete es als Schwäche des Synodalen Wegs, dass Themen wie die Weltkirche, Ökumene und Evangelisierung dort kaum vorkämen. Sie hätten "nicht die Kraft vom Kleingedruckten in die Haupttexte zu gelangen". (rom)