Niemand werde in katholischen Krankenhäusern diskriminiert, aber...

US-Kardinäle mit doppeltem Signal für Transgender

Aktualisiert am 28.09.2022  –  Lesedauer: 

Washington ‐ Das klingt zunächst großzügig: In allen katholischen Krankenhäusern seien Transgender-Personen willkommen, betonen die US-Kardinäle Blase Cupich und Timothy Dolan. Beim Wunsch nach Geschlechtsumwandlungen sieht es aber etwas anders aus.

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Die US-Kardinäle Blase Cupich (Chicago) und Timothy Dolan (New York) heißen Transgender-Personen in allen katholischen US-Krankenhäusern willkommen. Niemand werde diskriminiert, schreiben sie in einem gemeinsamen Artikel im Jesuiten-Magazin "America". Gleichzeitig lehnen sie Geschlechtsumwandlungen in katholischen Kliniken entschieden ab. Staatliche Bestimmungen, die Ärzte und Krankenhauspersonal dazu zwingen, bei Geschlechtsumwandlungen mitzuwirken, seien ein Verstoß gegen die Religionsfreiheit. Die Ablehnung solcher Eingriffe aus religiösen oder moralischen Gründen stellten keine Diskriminierung von Transgender-Personen dar, so Cupich und Dolan.

Hintergrund der Stellungnahme ist eine Vorschrift des US-Gesundheitsministeriums, die Diskriminierung in der Gesundheitsversorgung verbietet. Das Ministerium behält sich das Recht vor zu entscheiden, ob es trotz bestehenden Gewissensschutzes religiöse Gesundheitsanbieter zwingen kann, gegen ihre Überzeugungen zu verstoßen. Cupich und Dolan fordern in ihrem Artikel das Ministerium auf, die Regelung zu überdenken. Schon im August 2021 hatte sich die katholische Ärztevereinigung einer Klage angeschlossen, die das Mandat des Ministeriums anficht. Es sieht vor, dass Klinikmitarbeiter auch gegen ihre religiösen Überzeugungen Geschlechtsumwandlungen vornehmen müssen.

Im Januar hatte die US-Erzdiözese Milwaukee eine neue Richtlinie für den Umgang mit Personen erlassen, die sich nicht mit ihrem biologischen Geschlecht identifizieren. Diese schreibt allen Pfarreien, katholischen Schulen und Organisationen unter anderem vor, dass die Betroffenen nur Toiletten benutzen dürfen, die ihrem Geburtsgeschlecht entsprechen; das stieß bei vielen Priestern und Kirchenmitarbeitern auf massive Kritik. Bereits zuvor hatte sich im September der Erzbischof von Milwaukee, Jerome Listecki, für eine Überprüfung potenzieller Priesteramtskandidaten auf ihr biologisches Geschlecht hin ausgesprochen. Im Dezember sorgte das US-amerikanische Bistum Marquette (Michigan) für Aufsehen, als es Trans-Personen und Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen von den Sakramenten der Taufe, Firmung und dem Empfang der Eucharistie ausschloss. (tmg/KNA)