Schweizer steht nach Zeitungsinterview in der Kritik

Nach Nazi-Vergleich: Kardinal Koch sagt alle Deutschland-Termine ab

Aktualisiert am 01.10.2022  –  Lesedauer: 

Schwäbisch Gmünd ‐ Der schweizerische Kurienkardinal Kurt Koch steht nach einem Nazi-Vergleich in der Kritik – und hat seine Deutschland-Termine abgesagt. Eigentlich hätte er dieses Wochenende nach Deutschland kommen sollen. Doch besondere Gründe halten ihn ab.

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Der nach einem Nazi-Vergleich in die Kritik geratene Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch hat alle seine für das Wochenende in Deutschland geplanten Termine abgesagt. Dies sagte der Ellwanger Pfarrer Sven van Meegen am Samstag unter Berufung auf einen Anruf aus Kochs römischem Büro. Das Christliche Gästezentrum Schönblick in Schwäbisch Gmünd bestätigte diese Information auf Anfrage.

Koch hätte am Sonntag im Schönblick einen Gottesdienst feiern und einen Vortrag halten wollen; am Montag war eine Messe in Ellwangen geplant. Als Grund für Kochs Fernbleiben nannte van Meegen Hass und Gewaltandrohungen in Mails, die auch beim Schönblick eingegangen sein sollen. Die Stadt Schwäbisch Gmünd hatte von sich aus eine Veranstaltung mit Koch abgesagt, bei der sich der Kurienkardinal am Samstag ins Goldene Buch hätte eintragen sollen. Angemeldete Demonstrationen gegen Koch gab es laut der Polizei nicht.

Auf Anfrage nannte Koch es nicht sinnvoll, jetzt in Schwäbisch Gmünd zu sprechen. Der Termin für den Vortrag "Warum es sich gerade heute lohnt, Christ zu sein" solle deshalb verschoben werden. Nicht äußern wollte sich der Kardinal dazu, ob er weitere öffentliche Erklärungen zu seinem Streit mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, abgeben will. Der Limburger Bischof wisse aber "von früheren Begegnungen, dass ich jederzeit zu Gesprächen bereit bin".

Kritik wegen Vergleich des Synodalen Wegs mit dem Nationalsozialismus

Koch steht wegen eines NS-Vergleichs im Zusammenhang mit dem katholischen Reformprozess Synodaler Weg in der Kritik. In der Wochenzeitung "Die Tagespost" hatte er über Parallelen zwischen aktuellen kirchlichen Diskussionen und solchen aus der NS-Zeit gesprochen. Es irritiere ihn, dass in einem Text des Synodalen Wegs "neben den Offenbarungsquellen von Schrift und Tradition noch neue Quellen angenommen werden; und es erschreckt mich, dass dies - wieder - in Deutschland geschieht. Denn diese Erscheinung hat es bereits während der nationalsozialistischen Diktatur gegeben, als die so genannten Deutschen Christen Gottes neue Offenbarung in Blut und Boden und im Aufstieg Hitlers gesehen haben."

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, forderte daraufhin eine öffentliche Entschuldigung. Koch wehrte sich danach gegen den Vorwurf, er habe das Reformprojekt mit den den Nationalsozialisten nahestehenden evangelischen "Deutschen Christen" verglichen. Bätzing entgegnete, er könne Kochs Antwort "nicht als zufriedenstellend akzeptieren". Der Kardinal habe sich "im Kern nicht für die unhaltbaren Äußerungen entschuldigt, sondern sie - im Gegenteil - noch verschlimmert", so Bätzing. Auch der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, kritisierte Kochs Aussagen. (KNA)