Nach Vorwürfen geistlichen Missbrauchs bereits andere Vereine eingestellt

"Katholische Integrierte Gemeinde" auch in Münster aufgelöst

Aktualisiert am 04.10.2022  –  Lesedauer: 

Münster ‐ Einst mit Hoffnung auf ein ursprüngliches Christentum verbunden, ist die "Katholische Integrierte Gemeinde" nach Vorwürfen geistlichen Missbrauchs in Auflösung begriffen. Nun hat auch der Münsteraner Bischof den Verein in seiner Diözese aufgelöst.

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Die "Katholische Integrierte Gemeinde" (KIG) ist auch im Bistum Münster aufgelöst. Im am Dienstag veröffentlichten aktuellen Amtsblatt der Diözese ist das auf den 13. September datierte Auflösungsdekret von Bischof Felix Genn mit Wirkung zum 15. September dokumentiert. Laut dem Dekret erfolgte die Auflösung des Vereins, da ihm keine Mitglieder mehr angehörten. Aus diesem Grund entfiel auch die kirchenrechtlich vorgesehene Anhörung der Vorstandsmitglieder zur Auflösung.

Die KIG ist eine 1965 gegründete geistliche Gemeinschaft, die in verschiedenen Diözesen Deutschlands und weiteren Ländern kirchlich anerkannt wurde. Nach Schilderungen von ehemaligen Mitgliedern über geistliche Manipulationen in einem System psychischer und finanzieller Abhängigkeit ordnete Kardinal Reinhard Marx 2019 eine Visitation der Gemeinschaft im Erzbistum München und Freising an. Auf der Grundlage des Visitationsberichts Ende 2020 löste der Münchener Erzbischof den Verein in seiner Diözese auf. Nach der Auflösung wurden zudem noch neue Vorwürfe erhoben.

Auflösung weiterer KIG-Vereine in Paderborn und Augsburg

Auch weitere diözesane Vereine der KIG bestehen nicht mehr. 2021 löste der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker die "Gemeinschaft der Priester im Dienst an Integrierten Gemeinden" in seiner Diözese auf. 2020 beschloss der Verein "Katholische Integrierte Gemeinde in der Diözese Augsburg" seine Auflösung, die durch ein bischöfliches Dekret im Februar 2022 vollzogen wurde. Die diözesanen Vereine hatten nach kirchlichem Vereinsrecht die Rechtsform eines öffentlichen Vereins. Öffentliche Vereine werden durch den zuständigen Bischof oder Oberen errichtet und aufgelöst.

2020 distanzierte sich der emeritierte Papst Benedikt XVI. von der KIG, zu der er jahrzehntelang enge Verbindungen unterhalten hatte. Er sei offensichtlich "über manches im Innenleben" der Gemeinde "nicht informiert oder gar getäuscht" worden, sagte er gegenüber der Herder-Korrespondenz. 1978 wurde die KIG von den damaligen Erzbischöfen in Paderborn und München, Johannes Degenhardt und Joseph Ratzinger, kirchlich anerkannt und 1985 als öffentlicher kanonischer Verein anerkannt. (fxn)