Papst Franziskus hatte der Gemeinschaft eine neue Verfassung gegeben

Ex-Malteser-Präsident: Ordensreform wäre in Großbritannien illegal

Aktualisiert am 14.10.2022  –  Lesedauer: 

London ‐ Im Malteserorden gibt es weiter eine Auseinandersetzung über die Ordensreform von Papst Franziskus. Der ehemalige Großbritannien-Chef der Malteser kritisiert nun, dass die Reform zu rechtlichen Problemen im Vereinigten Königreich führen würde.

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Der ehemalige Präsident der selbstständigen Organisation des Malteserordens in Großbritannien, Richard Fitzalan-Howard, hat deutliche Kritik an der Reform des Ordens durch Papst Franziskus geübt. Das päpstliche Dekret, durch das die Kontrolle über die Maltesergesellschaft in Großbritannien von den Treuhändern auf das Großpriorat von England übertragen wurde, sei "ein klarer Verstoß gegen das britische Wohltätigkeitsrecht", da es die Satzung der Wohltätigkeitsorganisation ohne die Zustimmung einer Mehrheit der Treuhänder oder der Mitglieder der Organisation ändere. Das schreibt Fitzalan-Howard in einem Brief, über den der "Catholic Herald" am Freitag berichtet.

"Weder das Kirchenrecht noch das Malteserrecht haben in diesem Land Rechtskraft", fährt er fort. Die ihr gespendeten Gelder der britischen Malteserorganisation seien laut Statuten zweckgebunden. Jeder Versuch, "diese Gelder, etwa in Form einer Abgabe, für einen anderen Zweck umzuleiten, wäre illegal und würde wahrscheinlich die Aufmerksamkeit der Charity Commission auf sich ziehen." Die Charity Commission ist eine britische Behörde, die die rechtmäßige Arbeit von Wohlfahrtsorganisationen überwacht. Die Treuhänder hätten die Pflicht, die Mittel in Übereinstimmung mit den geltenden Regelungen zu verwalten.

Kritik an der Reform als Ganze

Fitzalan-Howard kritisierte zudem die Reform als Ganze: "Die wahre Tragödie für den Orden ist das Werk der Kirchenrechtler des Vatikans, die die 'sui generis'-Natur des Ordens als religiöser Laienorden (und nicht als klerikaler Orden) ignoriert und in eine religiöse Institutsverfassung gezwängt haben." So sei die Rolle etwa von Laien und Frauen im Orden geschmälert worden. Beide Gruppen ständen jedoch für das größte Wachstumspotenzial des Ordens. Die vatikanischen Kirchenrechtler schienen zu glauben, dass die Gelder der britischen Malteser "Eigentum des Ordens in Rom und letztlich des Vatikans sein sollten".

Der Papst hatte im September durch ein Dekret tief in die Struktur des Malteserordens eingegriffen. Das Leitungsgremium wurde entlassen und eine neue Verfassung sowie ein neues Gesetzbuch eingesetzt. Der Souveräne Malteserorden befindet sich seit längerer Zeit in einer tiefen Krise. Das Ringen um eine Reform der 900 Jahre alten Gemeinschaft hat unter anderem schon mehrmals zu einem Austausch der Führungsriege geführt. (cph)