Standpunkt

Nach dem Ad-limina-Besuch: Quo vadis, Synodaler Weg?

Aktualisiert am 22.11.2022  –  Lesedauer: 

Berlin ‐ Nach dem Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe ist endgültig klar, dass die größten Kritiker des Synodalen Wegs im Vatikan sitzen, kommentiert Steffen Zimmermann. Trotzdem ist er vorsichtig optimistisch, was den Fortgang des Reformprozesses angeht.

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Sollte es in Deutschland noch jemanden gegeben haben, der geglaubt oder gehofft hatte, der Vatikan stehe dem Synodalen Weg vielleicht doch nicht so kritisch gegenüber – er oder sie dürfte nach dem zu Ende gegangenen Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe in Rom endgültig auf dem harten Boden der Realität gelandet sein. Es kann nach den Treffen der Bischöfe mit Papst Franziskus und den Leitern der wichtigsten Dikasterien kein Zweifel mehr daran bestehen, dass die größten Kritiker des deutschen Reformprozesses in der Zentrale der Weltkirche in Rom sitzen – und einige hohe Herren dort den Prozess am liebsten längst gestoppt hätten.

Insofern müssen es die Reformbefürworter schon als Erfolg verbuchen, dass der bei den Beratungen im Vatikan offenbar ernsthaft diskutierte Vorschlag eines Moratoriums für den längst auf die Zielgerade eingebogenen Prozess von einer Mehrheit der deutschen Bischöfe abgewendet werden konnte. Denn wäre ein solches Moratorium tatsächlich beschlossen worden, hätte das sehr sicher das vorzeitige Ende des Synodalen Wegs und aller dort diskutierten und teilweise schon beschlossenen Reformvorhaben besiegelt.

So aber steht nun die Frage im Raum, wie es nach dem Ad-limina-Besuch konstruktiv mit dem Reformprozess weitergehen kann. Immerhin: Hilfreich dürfte aus deutscher Sicht sein, dass man nun endlich genauer weiß, wer im Vatikan was an dem Prozess und seinen Beschlüssen kritisiert; hinter anonymen Papieren konnte sich bei dem Besuch jedenfalls kein Kurienkardinal mehr verstecken. Vorsichtig optimistisch stimmt zudem, dass sich beide Seiten darauf verständigt haben, einerseits die Bedenken der Kurie in die weiteren Beratungen des Synodalen Wegs und andererseits die bisher erarbeiteten Reformideen des deutschen Prozesses in die Synode der Gesamtkirche einfließen zu lassen – auch wenn noch weitgehend unklar ist, welche praktischen Konsequenzen diese Verständigung auf deutscher und weltkirchlicher Ebene konkret haben wird.

Klar ist: Die Verantwortlichen des Synodalen Wegs müssen den Ad-limina-Besuch in den kommenden Tagen genau aufarbeiten und jenseits von bloßen Bekundungen à la "Wir werden den Reformprozess weitergehen" mehr denn je die Frage beantworten, wohin genau sie gehen wollen. Zudem sollte das Lager der Reformbefürworter noch viel stärker als bisher internationale Allianzen schmieden. Der Ad-limina-Besuch hat gezeigt: Die Beharrungskräfte im Vatikan sind weiterhin groß. Echte Reformen wird es nur geben, wenn entsprechende Forderungen aus möglichst vielen Ortskirchen lautstark und gemeinsam vorgetragen werden.

Von Steffen Zimmermann

Der Autor

Steffen Zimmermann ist Redakteur im Korrespondentenbüro von katholisch.de in Berlin.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.