Standpunkt

Synodalbeschlüsse rasch umsetzen – dort, wo es möglich ist

Aktualisiert am 30.11.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Wie soll die Kirche in Deutschland auf die Vatikan-Kritik am Synodalen Weg beim Ad-limina-Besuch reagieren? Abwarten hält Matthias Altmann für den falschen Ansatz. Gerade jetzt müsse man schnell im Rahmen der Möglichkeiten handeln, kommentiert er.

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Spätestens seit dem Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe dürfte auch den kühnsten Reform-Optimisten in Deutschland klar sein: Selbst wenn man sich in der Debatte um kirchliche Reformen im Besitz guter theologischer Argumente weiß und andere Teile der Weltkirche diese Positionen teilen – im Vatikan überzeugen sie an den entscheidenden Stellen nicht. Das war zwar schon zuvor absehbar, doch nun haben es die Protagonisten des Synodalen Wegs schwarz auf weiß. Bei dem Treffen selbst und im Nachklang haben Papst Franziskus und seine engsten Mitarbeiter in der Kurie einmal mehr deutlich gemacht, wo die "roten Linien" liegen. Und ob der weltweite synodale Prozess, in dem auch die viel zitierten "heißen Eisen" zur Sprache kommen sollen, daran etwas ändert, kann man getrost bezweifeln.

Und nun? Soll man mit der Umsetzung aller Beschlüsse des Synodalen Wegs warten, etwa bis zum Abschluss des weltweiten synodalen Prozesses? Das dürfte in den Augen vieler nicht der richtige Ansatz sein. Stattdessen sollte die Kirche in Deutschland so schnell wie möglich umsetzen, was sie auch umsetzen kann – wie sie es übrigens beim Arbeitsrecht schon getan hat. Zunächst müssen die Pläne rasch angegangen werden, die nicht zu ausufernden ekklesiologischen Debatten mit dem Vatikan führen. Nur ein Beispiel: Gegen den Handlungstext "Präsenz und Leitung – Frauen in Kirche und Theologie", der noch beschlossen werden muss und mehr Frauen in kirchlichen Führungspositionen fordert, dürfte auch die Kurie keine wirklich stichhaltigen Argumente haben.

Doch es braucht auch mehr Mut bei der Umsetzung der Beschlüsse, gegen die es Widerstand gibt, etwa bei der besseren Einbindung von Laien bei Entscheidungsprozessen. Der Vatikan warnte im Sommer zwar vor einer Einrichtung eines "Synodalen Rats", weil er durch ein solches Gremium die hierarchische Verfassung der Kirche gefährdet sieht. Doch Bischöfe geben ihr Hirtenamt nicht ab, wenn die Gläubigen dort, wo es möglich ist, an Leitungsentscheidungen mitwirken.

Ob der Synodale Weg zumindest in Teilen Erfolg hat und zu Veränderungen führt, liegt an der Kirche in Deutschland. Dafür muss sie ihre "Hausaufgaben" so schnell erledigen, wie sie kann. Die Geduld vieler, die an der Kirche hängen und sich Reformen wünschen, ist nicht unendlich.

Von Matthias Altmann

Der Autor

Matthias Altmann ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.