Kritik an Aussagen zu gemeinsamen Abendmahlsfeiern

Theologe Leppin bedauert "sehr düstere" Sicht von Benedikt XVI.

Aktualisiert am 20.01.2023  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Benedikt XVI. hatte in einem neu veröffentlichten Buch gemeinsame Abendmahlsfeiern von Katholiken und Protestanten für theologisch unmöglich erklärt. Theologe Volker Leppin kritisiert den Ton des Emeritus als "apokalytisch".

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Der evangelische Theologe Volker Leppin bedauert letzte Aussagen des früheren Papstes Benedikt XVI. gegen gemeinsame Abendmahlsfeiern von Katholiken und Protestanten. Der an Silvester verstorbene emeritierte Papst hielt die Interkommunion laut einem diese Woche in Italien erschienenen Buch mit seinen letzten Schriften wegen grundlegender Unterschiede für unmöglich. "Der Ton 'grundverschieden' – oder andere Übersetzungen sagen 'entgegengesetzt' –, der klingt so ein bisschen apokalyptisch", sagte Leppin dem Kölner Internetportal "domradio.de" (Donnerstag), nach dem Motto: "Man kann die Dinge gar nicht miteinander vereinbaren."

Aus der Sicht von Leppin, Theologieprofessor an der Universität Yale und Herausgeber des ökumenischen Dokuments "Gemeinsam am Tisch des Herrn", überwiegt hingegen das Verbindende zwischen beiden Konfessionen: "Die Einladung durch Jesus Christus. Jesus Christus, der sich selbst schenkt, das ist zunächst einmal die Grundlage, von der katholisches wie evangelisches Verständnis ausgeht. Auf einer solchen gemeinsamen Grundlage kann ich ein grundverschiedenes Abendmahlsverständnis nicht erkennen."

Die "apokalyptische Zuspitzung in der Begrifflichkeit" von Benedikt XVI. sei vielleicht auch Ausdruck einer verdunkelten Stimmung des emeritierten Papstes in seinen letzten Lebensjahren. "Dass er eine Abendmahlsgemeinschaft ablehnt, war immer deutlich in Kardinalszeiten wie in seinen päpstlichen Zeiten. Das Neue ist tatsächlich diese sehr düstere Weise, die Dinge zu beschreiben." (KNA)