Vatikanbank steht vor Veränderungen
Vatikanbank-Chef tritt laut Medienberichten ab

Vatikanbank steht vor Veränderungen

Vatikanbank - Auch wenn der Vatikan die Berichte nicht kommentiert geschweige denn bestätigt, liegt doch bei der Vatikanbank Veränderung in der Luft. Diverse Medien berichten diese Woche von einer Ablösung des deutschen Präsidenten des "Instituts für die religiösen Werke" (IOR), Ernst von Freyberg. Der Grund für die Medienspekulationen: Gleich mehrere hohe Vatikangremien – mit dabei ist auch Papst Franziskus – befassen sich diese Woche mit dem Geldinstitut.

Vatikan - 05.07.2014

Der mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin von acht auf neun Mitglieder erweiterte Kardinalsrat für die Kurienreform hat sich bis Freitag beraten – unter anderem auch über Fragen der Vatikanfinanzen. Am Samstag kommt das das von Kardinal George Pell geleitete Wirtschaftssekretariat zusammen sowie auch die fünf Mitglieder zählende Kardinalskommission für die Vatikanbank.

Alles findet hinter verschlossenen Türen statt. Mit für die Öffentlichkeit bestimmten Informationen über das IOR könne man erst kommende Woche rechnen, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Mittwoch. Dann wird wohl auch der Jahresbericht für 2013 veröffentlicht. Der Sprecher teilte aber auch mit, dass sich die Vatikanbank derzeit in einer "Übergangsphase" befände. Beim Umbau des Geldinstituts handele es sich um eine "natürliche Entwicklung". Zur Personalie Freyberg sagte Lombardi, dass dessen Arbeit "hoch geschätzt" und "sehr positiv bewertet" werde.

Porträtfoto von Ernst von Freyberg.

Ernst von Freyberg ist Aufsichtsratsvorsitzende der Vatikanbank. Nach den Worten von Papst Franziskus soll das auch so bleiben.

In Zukunft ein Fulltime-Präsident?

Nach einem Dementi klingt das nicht; und wer will, kann daraus schließen, dass der Deutsche seine Aufgabe erfolgreich abgeschlossen hat: Freyberg war im Februar 2013 in turbulenter Zeit noch von Benedikt XVI. eingesetzt worden. Er begann sofort, Missstände zu beheben, löste mehr als 1.600 unberechtigte Konten auf und sorgte dafür, dass erstmals in der Geschichte des IOR ein Jahresbericht veröffentlicht wurde. Nachdem Freyberg die Vatikanbank saniert, transparenter gemacht und internationale Standards eingeführt hat, ist es möglich, dass sie in Zukunft von einem Fulltime-Präsidenten geleitet werden soll.

Die "Zeit", die von mehreren Quellen berichtet, schreibt von privaten Gründen des Mittfünfzigers. Freyberg sei nicht bereit, komplett nach Rom zu ziehen. Nach Angaben der Katholischen Nachrichten-Agentur könnten sich die Arbeit und die Rolle des IOR ändern, da die vatikanische Güterverwaltung APSA immer stärker zu einer "Zentralbank des Vatikan" gemacht werden soll. Die "Bild" schreibt hingegen, dass Freyberg nicht freiwillig gehe, sondern Papst Franziskus den Reformer entlasse – freilich ohne konkreter zu werden.

Zunächst stehen die beiden Sitzungen am Samstag an. Vier der fünf Kardinäle des Kontrollrats für die Vatikanbank seien im laufe der Woche zeitweise auch zu den Beratungen des Kardinalsrats zur Kurienreform hinzugekommen, teilte Vatikansprecher Lombardi mit. Offizielle Informationen zur Zukunft des IOR sind für die kommende Woche zu erwarten – denn auch wenn die Generalaudienzen für den Juli abgesagt sind: Der Papst macht erneut keinen Sommerurlaub. (mit Material von KNA)

Von Agathe Lukassek

Stichwort: Vatikanbank

Als "Vatikanbank" wird landläufig das "Institut für die religiösen Werke" (Istituto per le Opere di Religione, IOR) bezeichnet. Das IOR ist jedoch nur im eingeschränkten Sinne eine Bank. Einige bankentypische Dienstleistungen wie die Vergabe von Krediten bietet es nicht an. Hauptzweck des 1942 gegründeten Instituts ist laut den Statuten die Verwaltung von Kapital, dessen Erträge "für Werke der Kirche und für christliche Wohltätigkeit in allen Teilen der Welt bestimmt sind". Das IOR verwaltet zurzeit nach eigenen Angaben 18.900 Konten und Kundeneinlagen von insgesamt 6,3 Milliarden Euro. Die größte Kundengruppe sind mit rund 50 Prozent Ordensgemeinschaften. Ein Konto beim IOR können vatikanische Einrichtungen, Ordensgemeinschaften, Bischofskonferenzen, Bistümer, Klöster und andere kirchliche Einrichtungen aus aller Welt eröffnen. Einzelne Priester und Ordensleute benötigen eine besondere Beauftragung durch ihren Oberen. Laien können nur Kunden werden, wenn sie Angestellte oder Pensionäre des Vatikan sind oder beim Heiligen Stuhl als Diplomaten akkreditiert sind. An der Spitze des Instituts steht seit Februar 2013 der deutsche Manager Ernst von Freyberg (55). Er steht dem Leitungsgremium, dem sogenannten Board of Superintendence vor. Diese Gruppe von Finanzfachleuten ist mehr als ein Aufsichtsrat in Deutschland; es steuert auch das operative Geschäft des IOR mit. Beaufsichtigt wird das 110 Mitarbeiter zählende IOR von einer Kardinalskommission. Wie alle anderen vatikanischen Einrichtungen wird es von der vatikanischen Finanzaufsichtsbehörde AIF kontrolliert. Im Oktober 2013 hat das IOR erstmals in seiner Geschichte einen Jahresbericht veröffentlicht. Demnach betrug 2012 der Jahresgewinn 86,6 Millionen Euro. (KNA)