Ein Junge in einem roten T-Shirt lächelt den Betrachter an.
Bild: © Caritas

Die Welt an der Schwelle

Tag zur Überwindung der Armut - Auf der Welt leben circa 1,3 Milliarden Menschen unter der Armutsgrenze, das Ergab eine Studie der Weltbank. Vor 30 Jahren waren es jedoch noch 1,95 Milliarden Menschen, die mit weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag auskommen mussten. Vor allem Aufschwung in Schwellenländern wie Brasilien, Indien oder China habe dazu beigetragen, dass immer weniger Menschen unter der absoluten Armutsgrenze leben.

Bonn - 17.10.2012

Die Caritas wertet dies als Erfolg, dennoch sei es kein Grund, sich auf dem Erreichten auszuruhen, mahnte Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbands, anlässlich des heutigen Tages zur Überwindung der Armut. Das Wirtschaftswachstum sei auch in diesen Ländern noch nicht bei allen angekommen, so dass der Unterschied zwischen den Gewinnern und den Verlierern dieses Prozesses immer noch sehr groß sei. Zudem gibt Neher zu denken, dass sich nicht alle Länder gleich gut entwickeln: "Gerade in den ärmsten Regionen der Welt, in Südasien und in weiten Teilen Afrikas, ist die Entwicklung gegenläufig. Dort hungern hunderttausende Menschen. Die Schere zwischen Arm und Reich droht sich weltweit weiter zu öffnen."

Um diese "Schere" zu schließen, verfolgen viele Organisationen verschiedene Ansätze. Eine davon ist die Stelyer Bank. Die Bank wurde 1964 von Missionaren in St. Augustin bei Bonn gegründet und versorgt seitdem zahlreiche Hilfsprojekte mit Kapital. Das Prinzip ist einfach: Die derzeit rund 16.000 Kunden legen ihr Geld bei der Steyler Bank an. Dieses Geld investiert die Bank ausschließlich in Projekte, die ihre Mitarbeiter für ethisch vertretbar halten, die zum Beispiel Waffengeschäfte, Zwangsarbeit, Korruption oder Menschenrechtsverletzungen ausschließen. Sämtliche Gewinne führt die Bank in Hilfsprojekte der Steyler Missionare ab – 2011 waren dies knapp 350.000 Euro. Weil darüber hinaus viele Kunden ihre kompletten Zinserträge spenden, hat die Bank in dem Jahr insgesamt knapp 2,8 Millionen Euro investiert.

Norbert Wolf, Geschäftsführer der Steyler Bank, rät auch den Nutzern anderer Finanzprodukte, genau zu prüfen, welche Firmen sie in ihrem Portfolio und dem Fonds ihrer Banken haben: "Jeder einzelne private Anleger oder professionelle Investor kann bei seiner Vermögensanlage gezielt ethisch einwandfreie Finanzprodukte auswählen. Das Bewusstsein, dass wir über unsere Geldanlage etwas bewirken können, ist vielen Verbrauchern noch gar nicht präsent. Bei Lebensmitteln ist dies geläufiger." Dort gebe es beispielsweise das Fair-Trade-Siegel, das Genussmittel oder Textilien aus Entwicklungs- und Schwellenländern kennzeichnet. Der Verein, der das Siegel ausstellt, dokumentiert damit, dass Produkte unter sozial fairen Bedingungen und Preisen hergestellt sind.

Wer sicher gehen möchte, dass er sein Geld ethisch vertretbar investiert, kann die Nachhaltigkeitsberichte der Unternehmen, in die investiert wird, lesen. Auch bei Fonds könne man den Asset-Manager dazu verpflichten, Nachhaltigkeitsratings durchführen und nur Titel auswählen, die einige Mindeststandards gewährleisten. Wolf: "Bei vielen Produkten, die auch in diversen Geldanlagen Investmentgegenstand sind, ist den Anlegern gar nicht bewusst, dass darin Kinderarbeit enthalten sein könnte." Beispielsweise bei Grabsteinen, Schokolade oder Schmuck, führt Wolf aus.

Fairer Handel ist in den Augen des Verbands Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) ohnehin der nachhaltigste Beitrag zur Bekämpfung der Armut. Daher spricht sich die Organisation in der Kampagne "Deine Stimme gegen Armut" auch dafür aus, das die Europäische Union das "Recht auf Ernährung" in die Leitlinien zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union zu schreiben, wie es auch in der UN-Menschenrechtscharta festgehalten ist. Dazu gehört für VERNO auch, dass die EU ihre Agrar-Subventionen abschafft, wodurch Bauern aus der EU ihre Lebensmittel sehr günstig exportieren können und dadurch die einheimischen Bauern in den Entwicklungsländern von den Märkten verdrängen. Auch die Landnahme durch international agierende Großkonzerne und Investmentgesellschaften gelte es zu unterbinden. Auf diese Weise, so VENRO, könne die Zahl der Armen auf der Welt noch einmal deutlich und nachhaltig reduziert werden. (mir)