Sternenhimmel mit dem Kometen Lovejoy.
Mit dem Planetoiden "Ratzinger" wollte ein Wissenschaftler den späteren Papst unsterblich machen

Ein Stern, der seinen Namen trägt

Wissenschaft - Die Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland, die ein Stern nach Bethlehem führt, hat den emeritierten Papst Benedikt XVI. sein theologisches Leben lang bewegt. Einige seiner Predigten über die Jahre zum Festtag "Erscheinung des Herrn" am 6. Januar haben sich erhalten. Darin bemüht er sich immer wieder, Wissenschaft und Glaube einander näher zu bringen.

Regensburg - 04.01.2014

Dass dem früheren Kurienkardinal Joseph Ratzinger jedoch einst eine "galaktische" Ehre widerfuhr, dürften wohl nur wenige wissen. Doch im Jahr 2000 war überraschend ein Planetoid nach ihm benannt worden.

Das Regensburger Institut Papst Benedikt XVI. erinnert dieser Tage im neu erschienen Band 6 seiner "Mitteilungen" an diese Begebenheit. Zu verdanken ist sie dem Astronom Lutz D. Schmadel aus Heidelberg. Der hatte sich nach dem Mauerfall 1989 mit dem ostdeutschen Physiker Freimut Börngen zusammengetan. Gemeinsam wollten sie die Gunst der Stunde nutzen, um an der Sternwarte Tautenburg bei Jena einige Suchprogramme nach sogenannten Kleinen Planeten durchzuführen.

"(8661) Ratzinger = 1990 TA 13"

Innerhalb von drei Jahren entdeckten die beiden mehr als 500 Stück. Konnten sie Planetoiden wiederholt beobachten und deren genaue Bahn bestimmen, durften die Wissenschaftler ihnen als deren Entdecker einen Namen zuweisen. Dabei griffen die Forscher meist auf Theologen, Philosophen, Künstler und NS-Widerstandskämpfer zurück. Einer, der am 14. Oktober 1990 neu gefundenen Kleinen Planeten, erhielt die dabei vorläufige Bezeichnung "1990 TA 13".

Um alles rund um diesen Planetoiden zu erforschen, vergingen jedoch weitere zehn Jahre. Dann aber gab es eine definitive Bezeichnung, die auch in den Minor Planet Circulars (MPC) der International Astronomical Union veröffentlicht wurde: "(8661) Ratzinger = 1990 TA 13". Warum der evangelische Christ Schmadel ausgerechnet den Namen des damaligen Präfekten der römischen Glaubenskongregation aussuchte, dafür lieferte er selbst die Begründung.

Benedikt XVI. feiert die Messe in Etzelsbach
Bild: © KNA

Benedikt XVI. feiert die Messe in Etzelsbach

Ratzinger zeigte sich "außerordentlich bewegt"

So informierte der Astronom in einem Brief vom 2. Juni 2000 den Präfekten höchstpersönlich über den Vorgang. Nicht nur die Autobiografie des Kirchenmannes sowie dessen Reden und Interviews hätten es ihm angetan. Vor allem habe ihn beeindruckt, dass unter dem Kardinal "die Offenlegung der Vatikanischen Archive und die damit verbundene Rehabilitierung bedeutender Wissenschaftler des Mittelalters" möglich geworden sei, heißt es in dem Schreiben.

Weiter führte Schmadel aus, dass ihn das Engagement Ratzingers "zugunsten der Wissenschaften und zugunsten der Stärkung wichtigster Prinzipien des christlichen Glaubens" bewogen habe, den kleinen Planeten mit dem Namen "Ratzinger" zu versehen. Damit sei dessen Namen "zumindest in der Astronomie unsterblich". Der Kardinal zeigte sich im Antwortschreiben "außerordentlich bewegt" über diese Ehre. Allerdings müsse er über die "besondere Art von Unsterblichkeit", die ihm damit zugelegt worden sei, noch meditieren.

Die Weisen leuchten den Gläubigen den Weg

Denn: "Die Zusammengehörigkeit von Himmel und Erde, die Verbundenheit unseres Seins mit dem Kosmos und die Gegenwart des Kosmos in uns selbst, Sterblichkeit und Unsterblichkeit, die wir mit den kleinen Planeten auf je besondere Weise teilen, bieten einen großen Grund zum Nachdenken", so Ratzinger.

13 Jahre später, in der letzten Epiphanie-Predigt seines Pontifikats erinnerte Benedikt XVI. daran, dass letztlich die Weisen als Pilger des Glaubens selbst zu Sternen geworden seien. Vom Himmel der Geschichte her leuchteten sie und zeigten den Gläubigen den Weg: "Die Heiligen sind die wahren Sternbilder Gottes, die die Nächte dieser Welt erleuchten und uns führen."

Von Barbara Just (KNA)