Ein Apfel liegt auf einem Teller.
katholisch.de Praktikantin Pia Hönscheid macht sich Gedanken über die Fastenzeit

Ist Fasten out?

Jugend - Wusstest du, dass Fastenzeit ist? Mein Freund wusste es nicht. Nun hat er nicht viel mit Kirche und Religion zu tun. Ich würde mal behaupten, dass auch die meisten Fitness-Coaches damit nicht viel am Hut haben und trotzdem fühlen sich Club-Mitglieder von ihnen dazu motiviert, ab Aschermittwoch zusätzlich zum Sportprogramm auch eine gesündere Ernährung einzuhalten. Die Fastenzeit wird dadurch zur beliebten Gelegenheit, lästige Pfunde los zu werden.

Bonn - 07.03.2015

Worauf es in diesen sieben Wochen bis Ostersonntag im religiösen Sinne ankommt, gerät dabei oft in den Hintergrund. Im Rahmen meines Praktikums bei katholisch.de komme ich nicht umhin, mir die Frage zu stellen: Ist Fasten out?

Ob Schokolade, Fleisch oder Alkohol: Hier in der Redaktion wird gefastet! Ich weiß gar nicht, warum mich das so überrascht hat, es ist ja schließlich Fastenzeit. Tatsächlich habe ich mir dieses Jahr überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, auf was ich denn verzichten möchte, dabei war das bei mir auf der katholischen Schule noch normal. Prompt beginne ich mir Gedanken über das Thema zu machen. Was macht das Fasten überhaupt aus?

Beim Mittagessen mit meiner Tante erzähle ich ihr von meiner Arbeit hier. Es stellt sich heraus, dass ihre Kollegin mit uns am Kantinentisch die Pfarrerin Marta Gulyas ist. Sie erklärt mir: "Auf etwas verzichten wird dann zum Fasten, wenn man die 'Lücke', die dabei entsteht, bewusst mit etwas Gleichwertigem füllt, also dem Glauben oder der Konzentration auf sich selbst. Alles andere, bei dem der Verzicht im Mittelpunkt steht, ist somit nur ein Verlust oder eben eine Diät." Mir wird Einiges klar.

Bild: © katholisch.de

Pia Höhnscheid ist Praktikantin bei katholisch.de.

Was sagt die Jugend dazu?

Mehr Hintergrundinformationen finde ich hier bei meinem Praktikum auf der Homepage. Etwa der Videoclip "Katholisch für Anfänger" erläutert mir kurz und knapp den Ursprung der Fastenzeit: Vierzig Tage lang hat Jesus in der Wüste verbracht und gefastet, aber nicht, weil er abnehmen wollte, sondern um sich ganz auf sich und seinen Glauben zu konzentrieren.

Sich mal von nichts ablenken lassen und in sich gehen, Entscheidungen Revue passieren lassen und sich die Frage stellen: Was will ich noch alles erreichen oder was habe ich eigentlich schon alles erreicht? Dafür ist die Fastenzeit gedacht.

Und was sagt "die heutige Jugend", zu der ich mich mit meinen 21 Jahren auch zähle, dazu? Ich habe mich mal in meinem Umfeld umgehört und mit verschiedenen Leuten diskutiert. Meine Freundin Caro fastet nicht. Sie erzählt von ihrer Erfahrung, sowieso nicht durchzuhalten. Sie habe es zwar schon einmal versucht, aber die religiöse Motivation fehle einfach. "Die Karnevalssüßigkeiten kommen da erschwerend dazu, die auf dem Tisch liegen und meinen Namen rufen."

"Fasten ist nicht out, sondern stirbt aus"

Caro meint aber auch, dass Fasten durchaus sinnvoll ist. Allerdings wünscht sie sich jemanden, der ihr zur Seite steht und sie anleitet. Zum Beispiel mit regelmäßigen Treffen, in denen Fastende über Schwierigkeiten und neu gewonnene Erkenntnis sprechen. Von solchen Angeboten für Jugendliche habe sie aber noch nie in ihrer Gemeinde gehört. Doch "out" findet Caro das Fasten nicht. Obwohl sie es sogar cool findet, wenn jemand das durchhalte, denkt sie eher, dass Fasten ausstirbt; sogar die ältere Generation tue es ja nicht mehr.

"Und die jüngere Generation erst recht nicht", denke ich mir auf der Suche nach jemandem in meinem Alter, der fastet. Ich fand Nicolas, der sich vorgenommen hat nicht mehr so viel vor dem Computer zu sitzen. Er wolle zwar nicht komplett aufhören, E-Mails zu schreiben oder auf Facebook online zu sein, weil er darauf angewiesen sei, aber er versuche sich auf das Nötigste zu beschränken. "Und das klappt auch soweit ganz gut. Man gewöhnt sich schnell dran und wird sogar besser darin, sich beim PC-Konsum zu beschränken."

Die Fastenzeit ist in vollem Gange. Doch wer verzichtet? Und auf was? Katholisch.de hat sich umgehört.

Jeder der ein Smartphone besitzt und/oder in sozialen Netzwerken angemeldet ist, kann wohl nachvollziehen, wie viel Zeit SMS schreiben und das Runterscrollen der Timeline in Anspruch nehmen. So vergehen schnell mal zehn Minuten in denen man sich Kommentare zu aktuellen Klatsch und Tratsch Geschichten durchliest. Aber auf das geliebte Handy oder Internet zu verzichten? Für diese Frage bekomme ich lediglich ein müdes Lächeln von meinen Freunden. "Mach du mal", heißt es da.

Fasten mal anders

Ein anderer Vorschlag: Man könnte doch mal ausprobieren, ob man es schafft, sein Handy während der Essens auszuschalten oder wegzulegen. Wochenlang wenigstens da konsequent zu sein hört sich doch nicht schlecht an, oder? Es geht ja nicht darum, sich zu quälen. Nicolas meint deshalb, er würde den Begriff "Fasten" weiter interpretieren. Einfach als eine Zeit, um etwas auszuprobieren. Das klingt doch schon viel positiver. Spontan beschließe ich als Quereinsteiger quasi, doch noch bis Ostersonntag beim Essen auf mein Handy zu verzichten. Mindestens dreimal am Tag hat meine Mahlzeit volle Aufmerksamkeit.

Mein persönliches Fazit zu dem Thema: Klar, tut es manchmal weh auf etwas heiß Geliebtes, Selbstverständliches zu verzichten. Aber zum Einen ist genau das der "Kick" dabei: Etwas zu schaffen, das einem nicht leicht fällt. Und zum Anderen gewinnt man Zeit – Zeit, um seine Potentiale besser auszunutzen und für die Auseinandersetzung mit Gott.

Von Pia Hönscheid