Seliger gegen Widerstände
Erzbischof Romero soll noch dieses Jahr seliggesprochen werden

Seliger gegen Widerstände

Vatikan - Stapelweise Briefe seien in den vergangenen Jahren in Rom gegen eine mögliche Seligsprechung von Oscar Arnolfo Romero eingegangen, bestätigte der Anwalt des Verfahrens, Erzbischof Vincenzo Paglia. Sie warfen dem am 2. März 1980 am Altar erschossenen Erzbischof von San Salvador vor, er sei als Politiker aufgetreten, habe Sympathien für Kommunisten gezeigt und mit bedenklichen Strömungen der Befreiungstheologie paktiert.

Vatikanstadt - 04.02.2015

Dieser "robuste Widerstand" habe eine ebenso "robuste Antwort" verlangt; und daher habe das Verfahren ungewöhnlich lange gedauert, erklärte Paglia am Mittwoch vor Journalisten. Grünes Licht für das lange blockierte Verfahren habe es schließlich von Benedikt XVI. gegeben, und zwar am 20. Dezember 2012, berichtete Paglia. Am Dienstag hatte der Vatikan Romero offiziell als Märtyrer anerkannt, der aus Hass gegen den katholischen Glauben getötet worden sei.

Das positive Votum der Heiligsprechungskongregation sei einmütig gewesen, sagte Paglia, sowohl zunächst bei der Theologenkommission als auch in der Versammlung der Kardinäle. Es füge sich gut, dass die Seligsprechung Romeros in das Pontifikat des ersten lateinamerikanischen Papstes falle. Auch für Papst Franziskus sei das Bild von der armen Kirche für die Armen prägend.

Romero stieß bei seinem Amtsantritt auf Vorbehalte

Der Widerstand gegen Romero sei vor allem von Seiten der Oligarchie des mittelamerikanischen Landes gekommen, erläuterte Paglia, die den Klerus und die Hierarchie lange auf ihrer Seite sahen und ihrerseits unterstützten. Diese wandten sich jedoch im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) und vor allem mit der Konferenz des lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM 1968 den Armen und gesellschaftlich Benachteiligten zu.

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Am 24. März 1980 wurde der Erzbischof von San Salvador, Oscar Arnulfo Romero, von bezahlten Scharfschützen ermordet. Am 23. Mai 2015 wird er selig gesprochen - für die Menschen in El Salvador und ganz Lateinamerika ist er schon lange ein Heiliger.

Romero selbst war bei seinem Amtsantritt 1977 auf erhebliche Vorbehalte nicht wenige seiner Priester gestoßen, berichtete bei der Pressekonferenz dessen Privatsekretär Jesus Delgado. Der neue Erzbischof sei ihnen zu rückständig erschienen. Aber Romero habe sich zusammen mit seinen Klerikern auf Seiten der Armen gestellt. Dieses Engagement für das Konzil habe er schließlich, nach vielen Morddrohungen, mit dem Leben bezahlt.

Auch im Vatikan hatte es Kritik an einer Seligsprechung Romeros gegeben. Besonders der kolumbianische Kurienkardinal Alfonso Lopez Trujillo (1935-2008) habe sich hier hervorgetan, schrieb am Mittwoch der römische Historiker Andrea Riccardi, Gründer der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio, der auch Paglia angehört, im "Corriere della Sera".

Als Geschichtsklitterung und Bildung eines ideologischen Mythos bezeichnete ein Biograf Romeros, der italienische Historiker Roberto Morozzo della Rocca, eine angebliche Äußerung Romeros. "Wenn sie mich töten, werde ich im salvadorianischen Volk auferstehen, mein Blut soll Samen der Freiheit und soll zur Befreiung meines Volks beitragen".

Märtyrer werden nicht nur von Feinden der Kirche getötet

Romero habe keinesfalls daran gedacht, mit einem "heroischen Tod Geschichte zu machen", er habe ein mögliches Martyrium keinesfalls in einem ideologischen Sinn als Symbol für einen künftigen Kampf gesehen, so der ebenfalls zu Sant' Egidio gehörende Historiker. Vielmehr sei beim vatikanischen Verfahren ein ganz anderes Testament Romeros vorgelegt worden: "Ich stelle mein ganzes Leben unter die liebevolle Vorsehung des Herzens Jesu und akzeptiere im Glauben an ihn meinen Tod". Diese Haltung liefere die Begründung für seine Anerkennung als Märtyrer.

Das Verfahren um Romero habe deutlich gemacht, dass Märtyrer nicht nur von Atheisten und Feinden der Kirche getötet werden, sondern auch von erklärten Christen, denen der Kirchenkurs missfällt, meinte Paglia. Gleichzeitig dürfte Romero den Weg freimachen für eine ganze Reihe von Seligsprechungsverfahren von Geistlichen nicht nur in El Salvador, sondern auch in anderen lateinamerikanischen Ländern.

Die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" bezeichnet ihn in ihrer Donnerstagsausgabe bereits als "Protomärtyrer", als ersten in einer lange Reihe neuer zeitgenössischer Blutzeugen. Bereits vor wenigen Monaten wurde ein Verfahren für Rutilio Grande eröffnet, einen Freund Romeros, der 1977 ebenfalls in El Salvador ermordet worden war.

Von Johannes Schidelko (KNA)