Eine alte Tradition im Alltag

Beiläufig, öffentlich, heimlich: Das Symbol des Kreuzzeichens

Veröffentlicht am 09.10.2023 um 00:01 Uhr – Von Schwester Maria Gabriela Zinkl – Lesedauer: 
Spiritea

Jerusalem ‐ Einige Sportler sind dafür bekannt, vor ihrer Leistung oder nach einem Erfolg öffentlich ein Kreuzzeichen zu machen. Schwester Gabriela Zinkl beschreibt verschiedene Formen dieser alten Tradition – und hat einen Vorschlag für den Alltag.

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Cristiano Ronaldo, Neymar und Miroslav Klose: Was haben sie gemeinsam, außer dass sie Topfußballer sind oder waren? Die drei und viele anderer ihrer Kollegen, besonders die aus Südamerika, sind bekannt dafür, dass sie vor dem Spiel oder nach einem Tor ein Kreuzzeichen machen. Auch bei Olympischen Wettkämpfen, Leichtathletikwettbewerben oder Bobrennen auf der Eisbahn sieht man immer wieder Sportlerinnen und Sportler, die sich vor dem Start bekreuzigen. Für manche Zuschauer ein Moment des Innehaltens, für andere eine skandalöse Geste, so etwa in der Saudi-Arabischen Fußballiga.

Bei der Geste des Kreuzzeichens macht man in der Luft ein unsichtbares Kreuz vor dem eigenen Körper. Es beginnt damit, dass die gestreckten Fingerspitzen der rechten Hand in der Luft eine senkrechte Linie von der Stirn den Oberkörper hinab ziehen, dann gehen sie in einer waagrechten Linie vom Herzen oder der linken Schulter quer hinüber auf die andere Seite. Das ist das so genannte große Kreuzzeichen, mit dem sich viele auch beim Betreten einer Kirche oder beim Verlassen mit Weihwasser bekreuzigen in Erinnerung an die eigene Taufe. Man kann dazu auch still die Worte "Im Namen des Vaters" beim Berühren der Stirn, "des Sohnes" beim Berühren der Brust, "und des Heiligen Geistes" beim Berühren der Schultern sprechen.

Kreuzzeichen "to go"

Im christlichen Alltag gibt es auch das Kreuzzeichen auch "to go". Wenn Eltern ihren Kindern mit dem Daumen auf die Stirn ein kleines Kreuz zeichnen, bevor sie aus dem Haus gehen. Das Kreuzzeichen ist eine Geste des Segens, ein kleines Gebet zu Gott, dass er diese Person schützen möge. So ein Kreuzzeichen gibt Kraft, das weiß jeder, der von jemand anderem schon einmal ein kleines Kreuzzeichen auf die Stirn bekommen hat. Es ist eine sehr intime Geste, die einen die Nähe Gottes spüren lässt. Für manche ist es ungewohnt und doch ganz besonders.

Das Kreuzzeichen ist seltener geworden, und doch nicht aus der Mode. Im Gottesdienst in der Kirche bekreuzigen wir uns mehrmals, das Kreuzzeichen am Anfang und am Ende ist der Rahmen der liturgischen Feier. Am Schluss vieler Gottesdienste segnet der Priester mit der Geste des Kreuzzeichens alle Anwesenden und spricht den Segen des dreifaltigen Gottes aus.

Einige Familien führen die schöne Tradition ihrer Vorfahren weiter, dass sie das Kreuzzeichen auch in ihrem Alltag ausführen. Vor dem Anschneiden eines Brotlaibes oder beim Tischgebet vor und nach dem Essen. Bei vielen Anlässen ist das kleine oder Kreuzzeichen als "Symbol in der Luft" fest verankert. Ein Kreuzzeichen kann und darf jeder machen. Manche machen es schnell und im Verborgenen, andere eher gewohnheitsmäßig und beiläufig, um einen schnellen Segen zu erbitten. Andere, wie etwa Sportler, setzen damit in der Öffentlichkeit bewusst ein Zeichen, um ihren Glauben auszudrücken oder auch um schnell ein Stoßgebet zum lieben Gott zu schicken: Lieber Gott, steh mir bei!

Bild: ©katholisch.de/ Madeleine Spendier (Symbolbild)

Das Kreuzzeichen müssen wir nicht zwingend nur in der Kirche machen.

Biblisch belegbar ist das Kreuzzeichen nicht. Kein Wunder, das Kreuz als christliches Symbol und sogar als Segensgeste hat sich erst einige Jahrhunderte nach Tod und Auferstehung Jesu Christi unter den ersten Christen herausgeprägt. Aber das, was wir bei der Geste des Kreuzzeichens sagen oder denken, steht schon in der Bibel: "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" (Mt 28,19). Seit dem 2. Jahrhundert nach Christus bringen Menschen ihre Zugehörigkeit zu Christus durch das Selbst-Bekreuzigen zum Ausdruck. In der Antike war es üblich, Gegenstände und auch Personen gut sichtbar mit der Besitzmarke ihres Herrn zu kennzeichnen und dieser Brauch wurde aufgegriffen.

Als Christen glauben wir im Zeichen des Kreuzes. Das Kreuzzeichen markiert unser Leben von Anfang bis Ende: Bei der Taufe erhalten wir mit Chrisam auf die Stirn ein Kreuz gezeichnet, beim Begräbnis wird ein Kreuzzeichen über den Sarg oder die Urne gemacht.

Warum den Tag nicht mit einem Kreuzzeichen beginnen und beenden? Die Kirche empfiehlt das, ganz ähnlich steht das auch in den Lebensregeln vieler Ordensgemeinschaften. Zugegeben, für viele ist das heute eine verrückte Idee, aber das passt doch zu uns Christen, egal ob auf dem Fußballfeld, in der Kirche oder vor dem Aufbruch in die große weite Welt unter dem Segen Gottes.

Von Schwester Maria Gabriela Zinkl

Die Autorin

Schwester Dr. Maria Gabriela Zinkl SMCB ist Borromäerin im Deutschen Hospiz St. Charles in Jerusalem und arbeitet als Dozentin für Kirchenrecht und als Pädagogin. Für "Spiritea" schreibt sie regelmäßig Texte über  Themen rund um Spiritualität und Glaubensalltag.

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