Die Kathedrale "Heiliger Sava" im Zentrum der serbischen Hauptstadt Belgrad.
Belgrads Riesen-Kathedrale wird geschmückt

Mosaiken der Superlative

Serbien - Zwölf Jahre hatte es gedauert, um die 30 Millionen Euro aufzutreiben. Im vergangenen Oktober gab die russische Regierung ihre Zusage. Jetzt zeichnen russische Künstler unter Oberaufsicht des Akademiemalers Nikolai Muchin in Moskau die ersten Skizzen. Es geht um den Innenausbau der Belgrader Kathedrale "Hl. Sava", eine der größten orthodoxen Kirchen weltweit.

Belgrad - 09.04.2015

Die Kuppeln, Säulen und Wände sollen mit Goldmosaiken verziert werden, erklärt der oberste Baumeister, Vojislav Milovanovic, das einzigartige Vorhaben. Es geht um 15.000 Quadratmeter. Zum Vergleich: Das ist mehr als doppelt so viel wie die Mosaikfläche in der katholischen Kathedrale im amerikanischen St. Louis, die zwischen 1912 und 1988 entstanden ist und als eine der größten in der Welt gilt.

1.500 Heilige und historische Personen in acht Jahren

In Belgrad sollen 60 russische und weißrussische Sakralkünstler gemeinsam mit wenigen ausgesuchten serbischen Partnern in nur acht Jahren ihr Meisterwerk vollbringen. Ihnen stehen 40 Arbeiter "fürs Grobe" zur Seite: Mosaikuntergrund säubern, Steine zuschneiden und schleppen, Gerüste auf- und abbauen. Am Ende sollen nicht weniger als 1.500 Heilige und historische Personen zu erkennen sein.

Für moderne künstlerische Interpretationen bleibt allerdings kein Raum. "Wir richten uns nach der serbisch-byzantinischen Kunst zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert", beschreibt der jahrelang für den Innenausbau zuständige Dragomir Acovic die Vorgaben. Schließlich seien die Gläubigen seit langem an dieses Aussehen ihrer Heiligen gewöhnt, begründet er diese Position: "Sie müssen sofort zu erkennen sein."

In Belgrad, Hauptstadt Serbiens, steht die Kathedrale "Hl. Sava" - eine der größten orthodoxen Kirchen weltweit.

Alle Heiligen besitzen festgelegte Farben, erklärt Acovic weiter. Der Apostel Paulus erscheint in roten und blauen Gewändern, der Apostel Peter in blau-gelb. "Das sind jahrhundertealte ikonografische Regeln, an die wir uns halten müssen". Dass die Künstler damit in ein festes Korsett eingeschnürt werden, bestreitet der Experte: "Wir geben den Inhalt der Kompositionen vor. Ihr könnt das dann künstlerisch gestalten", laute der Auftrag an die Macher.

Ein ganz besonderer Platz

Die Riesenkirche ist mehr als ein religiöser Mittelpunkt. Sie ist von zentraler Bedeutung für das serbische Nationalbewusstsein. Denn sie steht auf einem besonderen Platz. Hier soll der osmanische Großwesir Sinan Pascha nach einem Aufstand der Serben am 10. Mai 1595 die Gebeine des Nationalheiligen Sava verbrannt haben, um die Untertanen zu bestrafen und zu demütigen.

Die Kathedrale der Superlative in Form eines Kreuzes ist 91 Meter lang und 81 Meter breit. Die Höhe erreicht 68 Meter. Die Kuppel krönt ein zwölf Meter hohes vergoldetes Kreuz. Im Innenraum haben leicht 10 000 Gläubige Platz. Schon vor 120 Jahren wurde der Baubeschluss gefasst. Die Grundmauern missbrauchten die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg als Lager, Garage und Pferdestall. Die Kommunisten verboten den Bau. Erst vor 30 Jahren ging es endlich weiter.

Vor welchen Herausforderungen die Künstler durch die schiere Größe der Flächen stehen, macht dieses Beispiel deutlich: Allein die Iris im Auge des "Weltenherrschers" Christus in der Hauptkuppel misst einen Meter, sein Gesicht besitzt zehn Meter Durchmesser. Und die vier Evangelisten unterhalb der Kuppel nehmen jeweils 90 Quadratmeter ein - die Größe einer mittleren Wohnung. Und dann müssen noch die Perspektiven aus einer Sehinstanz von zig Metern stimmen.

Von Thomas Brey (dpa)