Beschützer des Papstes

Aktualisiert am 07.05.2015  –  Lesedauer: 
Beschützer des Papstes
Bild: © KNA
Schweizergarde

Rom ‐ Dem Pontifex tapfer und treu zur Seite stehen - das ist die Aufgabe der Schweizergarde. Die heutige Vereidigung neuer Rekruten ist die erste nach einem überraschenden Führungswechsel.

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In diesem Jahr ist die Veranstaltung insofern etwas Besonderes, als ein Führungswechsel an der Spitze stattgefunden hat: Zum 31. Januar legte Oberst Daniel Anrig auf Geheiß des Papstes sein Amt als Kommandant nieder.

Bild: ©picture alliance/dpa/Katarzyna Artymiak / Handout

Christoph Graf ist der neue Kommandant der Schweizergarde.

Die überraschende Entscheidung hatte Spekulationen genährt, Franziskus sei mit dem Führungsstil Anrigs nicht mehr zufrieden gewesen. Medien berichteten, möglicherweise sei er in Franziskus‘ Augen zu streng aufgetreten. Franziskus selbst begründete den Schritt damit, dass er bei einem Besuch im Quartier der Garde den Eindruck gewonnen habe, dass eine Erneuerung gut tun würde. Anrigs Nachfolger Christoph Graf bringt jedenfalls viel Erfahrung mit ins Amt. Er gehört der Garde schon seit 1987 an.

Der wichtigste Tag im Jahr

Doch diese Unruhen spielen bei der Vereidigung heute wohl keine große Rolle. Die Zeremonie erfolgt bei gutem Wetter im beeindruckenden Damasushof des Vatikan, der auf drei Seiten von den "Logge di Raffaello", einem Gebäudekomplex mit großen Fenstern, eingeschlossen ist. Bei schlechtem Wetter findet der Fahneneid in der Audienzhalle statt, wo bis zu 6.000 Familienangehörige und Vatikanmitarbeiter zusehen können.

Der 6. Mai ist für die Schweizergarde traditionell der wichtigste Tag im Jahr. Alljährlich gedenken die Mitglieder der vatikanischen Armee an diesem Datum der Ereignisse des "Sacco di Roma" im Jahr 1527. Damals zogen ausländische Truppen plündernd und mordend durch Rom. Die damals 189 Gardisten leisteten verzweifelten Widerstand und brachten Papst Clemens VII. in letzter Minute und unter hohen eigenen Verlusten in der Engelsburg in Sicherheit.

Mitglieder der Schweizergarde beim Gedenken an den "Sacco di Roma" am 6. Mai im Vatikan.
Vereidigung von Rekruten der Schweizergare am 6. Mai in der Audienzhalle des Vatikan.
Galerie: 9 Bilder

Wichtigste Aufgabe der Schweizergarde ist bis heute der Schutz des Papstes, dem die Armee direkt unterstellt ist. Darüber hinaus verrichten die 110 Soldaten zahlreiche Sicherheits-, Ordnungs- und Ehrendienste im Vatikan - manches davon in Zusammenarbeit mit der Päpstlichen Gendarmerie. Nicht zu unterschätzen ist zudem die Rolle der Gardisten als Fotomotiv. Die farbenprächtigen Uniformen in Gelb, Rot und Blau sind jedoch - anders als immer wieder behauptet wird - keine Kreation von Michelangelo. Vielmehr geht die Uniform auf einen Entwurf des Kommandanten Jules Repond (1910-1921) zurück, der sich dabei von den Fresken Raffaels inspiriert haben lassen soll.

Bei der Größe wird ein Auge zugedrückt

Wer Soldat der Schweizergarde werden möchte, muss zahlreiche Bedingungen erfüllen. Wichtigste Voraussetzungen sind die schweizerische Staatsbürgerschaft, die Mitgliedschaft in der katholischen Kirche, eine einwandfreie Gesundheit und ein einwandfreier Leumund. Außerdem muss ein Kandidat männlich, ledig, zwischen 19 und 30 Jahre alt sowie mindestens 1,74 Meter groß sein. Der Kreis der potentiellen Soldaten für die Garde ist also begrenzt. Deshalb wird bei der Mindestgröße immer wieder ein Auge zugedrückt. (gho/KNA)

Der Schwur der Schweizergarde

Bei ihrer Vereidigung leisten die Rekruten der Schweizergarde ihren Eid auf folgende Schwurformel: "Ich schwöre, treu, redlich, und ehrenhaft zu dienen dem regierenden Papst [Name des Papstes], und seinen rechtmässigen Nachfolgern und mich mit ganzer Kraft für sie einzusetzen, bereit, wenn es erheischt sein sollte, für Ihren Schutz selbst mein Leben hinzugeben. Ich übernehme dieselben Verpflichtungen gegenüber dem Kollegium der Kardinäle während der Sedisvakanz des Apostolischen Stuhles. Ich verspreche überdies dem Herrn Kommandanten und meinen übrigen Vorgesetzten Achtung, Treue und Gehorsam. Ich schwöre es, so wahr mir Gott und unsere heiligen Patrone helfen."