Auf nach Hellas!
Von Korinth bis Patras: In Griechenland liegen einige für das Christentum bedeutsame Orte

Auf nach Hellas!

Glaube - Von Korinth bis Patras: In Griechenland liegen einige für das Christentum bedeutsame Orte. Falls Sie also noch keine Pläne für den Urlaub haben, reisen Sie doch mal auf den Spuren des Apostelfürsten Paulus.

Von Agathe Lukassek und Björn Odendahl |  Bonn - 07.07.2015

Korinth

An der Landenge zur Halbinsel Peloponnes liegt Korinth, wo Paulus im Jahr 51 oder 52 ganze 18 Monate verbrachte. Damals war es eine multikulturelle und multireligiöse Stadt, was es nicht unbedingt einfach machte, eine christliche Gemeinschaft aufrechtzuerhalten. Der 2. Korintherbrief spiegelt die Schwierigkeiten der Gemeinde in der kosmopolitischen Stadt wider. Paulus war insgesamt dreimal in Korinth; im Jahr 58 entstand dort vermutlich der Römerbrief.

Am Ausgrabungsort der antiken Stadt kann man noch heute die Basis der Rednertribüne erkennen, von der Paulus zu den Korinthern sprach. Die sogenannte Bema befindet sich im Zentrum der Agora. Im Mittelalter wurde diese Stelle durch eine Kirche überbaut. Am Gerichtsgebäude findet sich die Stelle, an der sich der Apostel vor dem römischen Prokonsul Gallio verantworten musste (Apostelgeschichte 18).

Athen

Auch in der griechischen Hauptstadt war Paulus, als er die christliche Botschaft verbreitete. Dort ärgerte er sich über die vielen Götzenbilder und sprach sowohl mit Juden als auch mit Philosophen verschiedenster Richtungen. Die Bewohner der Stadt führten Paulus an den berühmten Areopag, wo er ihnen seine "neue Lehre" erläuterte. Als Anlass für seine Rede nennt er den dort befindlichen, "einem unbekannten Gott" geweihten, Altar. Der Apostel verkündet den Athenern diesen unbekannten Gott, den er als Gott und Vater Jesu Christi erkennt. Einige Zuhörer zeigen sich interessiert, andere spotten. Paulus akzeptiert die Reaktion und entfernt sich. Einige folgen ihm und werden Christen (Apg 17,162-34).

Die Paulusbucht bei Lindos auf der griechichen Insel Rhodos.

Thessaloniki

In der nordgriechischen Stadt lohnt sich mehr als nur einen kurzer Zwischenstopp auf der Fahrt zur Halbinsel Chalkidiki (siehe unten): Ein gutes Dutzend frühchristlicher und byzantinischer Bauten zählen zum Weltkulturerbe. Darunter sind Kirchen wie die Hagia Sophia und Hagios Demetrios, die auf Fundamenten aus dem frühen 4. Jahrhundert gebaut sind und die in ihrer ursprünglichen Form fast unveränderte dreischiffige Basilika Panagia Acheiropoietos. Zudem kommt Touristen entgegen, dass Bürgermeister Yannis Boutaris die zweitgrößte Stadt Griechenlands seit knapp vier Jahren gründlich aufräumt, lebenswerter macht und somit Besucher anlockt.

Auch hier war der Apostel Paulus auf seiner zweiten Missionsreise: Um 50 n. Chr. gründete er gemeinsam mit Timotheus die zweite namentlich genannte Christengemeinde Europas nach der heutigen Ruinenstadt Philippi. Nach einem Aufruhr der jüdischen Gemeinde mussten sie Saloniki bald wieder verlassen, doch schickte Paulus Timotheos bald wieder in die Stadt. Als sie sich später in Korinth wiedertrafen, schrieb der Apostel den ältesten uns erhaltenen Paulusbrief. Es sollte noch ein weiterer folgen.

Insel Rhodos mit Paulusbucht

Bei Lindos auf der nahe der Türkei gelegenen Insel Rhodos gibt es gar eine Bucht, die nach Paulus benannt ist. Sie soll dem Missionar auf seiner dritten Reise als Landebucht gedient haben. Eine kleine Kapelle ziert den Ort (Apg 21). Die Bucht ist eng und hat eine schmale Einfahrt. Allerdings ist nicht gesichert, ob er damals auf Rhodos an Land ging. Möglicherweise ist Paulus aber bereits bei seiner zweiten Missionsreise auf der Rückfahrt von Cäsarea bei Lindos gelandet.

Insel Patmos

Den Brief des Paulus an die Epheser kennt man. Die Überreste der antiken Weltstadt Ephesus befinden sich an der türkischen Westküste. Nur wenige Kilometer davon entfernt liegt die etwas weniger bekannte griechische Insel Patmos. Doch auch die findet Erwähnung in der Heiligen Schrift – und zwar in der Offenbarung des Johannes. Dort heißt es: "Ich, euer Bruder Johannes, der wie ihr bedrängt ist, der mit euch an der Königsherrschaft teilhat und mit euch in Jesus standhaft ausharrt, ich war auf der Insel Patmos um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses für Jesus."

Auch wenn man heute zu der Überzeugung gekommen ist, dass es nicht der Apostel Johannes war, der die Offenbarung geschrieben hat, wird Patmos aber als mutmaßlicher Schöpfungsort in Betracht gezogen. Das machte die Insel vor allem bei orthodoxen Christen beliebt und brachte dem Verfasser im englischen Sprachraum den Namen "John of Patmos" ein. Alljährlich ist die Insel Ziel mehrerer großer Wallfahrten und beherbergt seit dem 11. Jahrhundert auch eines der berühmtesten Klöster der Orthodoxie. Das ist selbstverständlich dem heiligen Johannes gewidmet und Unesco-Weltkulturerbe.

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Der Heilige Berg Athos

Im Norden des Landes, auf der Halbinsel Chalkidiki, befindet sich das Herz der griechisch-orthodoxen Christenheit: der "Heilige Berg Athos". Geographisch gehören der Berg und das Umland zur Region Makedonien. Staatsrechtlich handelt es sich jedoch um eine autonome Mönchsrepublik, die sich selbst verwaltet und auch nicht zum steuerlichen Gebiet der Europäischen Union gehört. Einer Legende nach soll die Gottesmutter Maria während eines Sturms an das Ufer der Halbinsel gelangt sein und gesprochen haben: "Dieser Berg ist geheiligter Boden. Hier möchte ich bleiben."

Spätestens seit dem 9. Jahrhundert sollen sich dann christliche Gemeinschaften am Berg Athos niedergelassen haben. Ein erstes Kloster mit dem Namen "Große Lavra" ist für das Jahr 963 bezeugt. Mitte des 15. Jahrhunderts sollen in den Klöstern der Region rund 15.000 Mönche gelebt haben. Die Osmanen schnitten die Klöster der Republik jedoch von der Außenwelt ab, so dass die Region vollkommen verarmte und viele Mönche sie verließen. Heute leben auf dem gesamten Staatsgebiet, das etwa 340 Quadratkilometer umfasst, noch 2.300 Mönche. Die 20 Großklöster der Mönchsrepublik sind mittlerweile ebenfalls Teil des Unesco-Weltkulturerbes und beliebtes Pilgerziel. Frauen sind allerdings heute wie vor 1.000 Jahren nicht zugelassen.

Hafenstadt Patras

Mit der Hafenstadt Patras verbindet das Christentum eine eher schlechte Erinnerung. Der Apostel Andreas soll hier der Überlieferung nach Maximilla, die Frau des römischen Statthalters Ägeas, zunächst geheilt und anschließend zum Christentum bekehrt haben. Ägeas selbst ließ dagegen nicht überzeugen und den Apostel für einen besonders langsamen Tod an ein X-förmiges Kreuz binden. Während Andreas' Gebeine im Jahr 357 von Patras in die Apostelkirche in Konstantinopel gebracht wurden, erhielt die Stadt die Kopfreliquie 1964 wieder zurück. Sie befindet sich gemeinsam mit der Kreuzreliquie in der Kirche "Agios Andreas". Ihre Echtheit wird jedoch bezweifelt.

Von Agathe Lukassek und Björn Odendahl