Evangelische Bischöfe kritisieren Asylverfahren für Balkanflüchtlinge

Offene Grenzen für alle sind "Unfug"

Aktualisiert am 27.07.2015  –  Lesedauer: 
Ordinanden sitzen am 26.04.2015 während ihrer Weihe im Dom "Sankt Mauritius und Katharina" in Magdeburg (Sachsen-Anhalt).
Bild: © dpa/Jens Wolf
Flüchtlinge

Hannover/Dresden ‐ Rund 40 Prozent aller Asylanträge werden mittlerweile von Balkanflüchtlingen gestellt. Das Asylrecht gelte jedoch nur bei Verfolgung, nicht bei Armut, sagte der hannoversche Landesbischof Ralf Meister. Mit der Einschätzung steht er nicht alleine da.

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"Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht in das romantische Idyll hineinbegeben, alle Menschen könnten nach Deutschland kommen und einen Asylantrag stellen", so der Bischof. "Das ist eine Illusion." Meister betonte allerdings, Deutschland könne noch mehr Flüchtlinge aufnehmen als bisher. "Die Aufnahme bedrohter Menschen gehört zu den Kennzeichen einer humanen Gesellschaft." Der Theologe forderte die Parteien auf, in der Flüchtlingsfrage gemeinsame Lösungen zu finden. Das sei kein Thema, das zerstritten werden dürfe. Gezänk nütze niemandem. Meister steht an der Spitze der größten deutschen lutherischen Landeskirche mit rund 2,8 Millionen Mitgliedern.

Ähnlich äußerte sich Bischof der Evangelischen Landeskirche Sachsens, Jochen Bohl, bereits am Samstag. Die Probleme in Montenegro, Serbien oder Bosnien-Herzegowina könnten nicht dadurch gelöst werden, dass ihre Bewohner nach Deutschland kommen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist einfach undenkbar." Die Asylverfahren von Flüchtlingen vom Balkan müssten dringend verkürzt und beschleunigt werden.

Bohl: "Asylrecht nicht das geeignete Instrument"

Für Menschen, die vor Krieg und unvorstellbarer Gewalt aus Syrien, dem Irak oder Eritrea flüchten, sei die Aufnahme nach Asylrecht und Flüchtlingskonvention ein "Gebot der Menschlichkeit", sagte Bohl. Die Lage auf dem Balkan müsse jedoch anders betrachtet werden. Für Zuwanderer, die nach Deutschland kämen, weil sie in ihrer Heimat keine persönliche Zukunft sehen, sei das Asylrecht nicht das geeignete Instrument. Wenn es keinen Asylgrund gebe, müssten die Asylbewerber in ihre Länder zurückkehren, so der Bischof.

In der aktuellen Flüchtlingsdebatte geht es auch um Asylsuchende aus den Balkanländern, von denen rund 40 Prozent aller Asylanträge kommen. Weil die Lage auf dem Balkan allgemein als weniger dramatisch bewertet wird als etwa in Syrien oder dem Irak, haben ihre Anträge nur eine sehr geringere Wahrscheinlichkeit auf Erfolg. Laut Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge werden nur rund 0,2 Prozent der Fälle anerkannt. (bod/KNA/dpa)